Allgemein Afrika Sambia

Bootstour auf dem Sambesi

23. – 27.09.2011

Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht fahren wir weiter Richtung Westen. Auf dem Weg werden uns immer wieder geballte Fäuste entgegengestreckt, dabei schaut man allerdings in freudestrahlende Gesichter. In grüne Fahnen gehüllte Autos überholen uns laut hupend nur um dann wieder in Schrittgeschwindigkeit bei der nächsten Gruppe jubelnder überwiegend jungen Leuten anzuhalten. Wir lachen und jubilieren einfach mal mit, scheint ein gutes Ergebnis gegeben zu haben… Unser heutiges Etappenziel sollte eigentlich die Luangwa Bridge sein, wo es ein Camp gibt, das auch Overlander anfahren. Uns haut dieses allerdings irgendwie nicht so richtig vom Hocker. Und da das letzte Camp schon nicht so erwähnenswert war, entscheiden wir uns weiter zu fahren, es ist schließlich auch erst Mittagszeit. Kurz vor Lusaka geht eine Straße, die sogenannte Leopard Hill Straße ab, die zum Lower Sambesi Nationalpark führt. Nähere Recherchen haben jedoch ergeben, dass das letzte lange Stück „not recommended“ ist, was heißt, sie ist ziemlich total bescheiden (wir haben so eine Straße schon einmal versucht zu befahren, ihr erinnert euch sicherlich an eine „Ende der Welt“ Geschichte.)

31-friedensstatue-in-lusakaUnser Weg führt also – natürlich mit einem Abstecher zum Flughafen für den obligatorischen Kühlschrankmagneten 😉 ) nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Dabei sind wir wie jeden Tag wieder neu beeindruckt von den hiesigen Frauen hier. Riesige bis zu 2m lange Bündel Feuerholz, Säcke mit Getreide und Behälter mit einem Durchmesser von etwa 60cm voller Bananen auf den Köpfen der teilweise sehr zierlichen Frauen sind ja schon ein gewohnter Anblick. Aber nicht nur das sieht man, sondern auch Nähmaschinen, Esstische und heute kamen uns sogar zwei Frauen mit Autobatterien auf dem Kopf entgegen! Wahnsinn!

Lusaka hat uns auf den ersten Blick gleich positiv überrascht. Es ist die erste afrikanische Hauptstadt, wo man tatsächlich seine Hupe nicht braucht. Hier geht alles sehr relaxt vonstatten, man fährt sogar nicht die erlaubten 100km/h auf der Great East Road, die in die Stadt hineinführt, sondern tingelt gemächlich entlang der zahlreichen Shoppingmalls und Tankstellen. Wir steuern eine Backpacker Unterkunft an, die mitten in der Stadt liegt. Dort erfahren wir dann auch endlich, dass es einen neuen Präsidenten gibt. Michael Sata, der Kandidat der Opposition, hat tatsächlich die Wahl gewonnen. Er scheiterte bereits 2008 und damals war von Wahlbetrug die Rede, weshalb wir auch etwas angespannt die Situation abgewartet haben. Denn man weiß ja nie in Ländern wie diesen… Aber alles scheint gut zu sein, denn die Stimmung ist ausgelassen, die Angestellten des Hostels schon leicht (oder auch weniger leicht) angetrunken. Deshalb lassen sie uns auch noch ausnahmsweise im Hof campen, denn eigentlich ist das nicht mehr erlaubt, hier gibt es nur noch Zimmer wie man sie aus  Jugendherbergen kennt.

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Am nächsten Morgen müssen wir also das Feld wieder räumen. Wir fahren in die City und schauen uns das Freiheitsdenkmal von Lusaka an und dann geht’s ab ins Einkaufsparadies. Denn mit dem Grenzübertritt von Malawi nach Sambia sind wir in die Welt des bezahlbaren „Spar“-Marktes eingetreten. Wie uns von anderen Reisenden berichtet wurde, soll es ab jetzt keine Probleme mehr geben, seine Vorratsschränke zu füllen. Und sogar Frischfleisch können wir nun wieder einkaufen, denn ab jetzt sind die meisten Campingplätze mit Stromquellen ausgestattet! Was für ein Luxus J Vollbeladen mit Bier, Fleisch und auch etwas Grünzeug geht’s Richtung Süden zum Eureka Campingplatz, der auf dem Weg zum Lower Sambesi NP liegt, den wir von dieser Seite aus anfahren wollen um die besagte Leopardenstraße zu umgehen. Der Platz liegt nur etwa 10km südlich des Stadtzentrums, wir haben aber bei der sandigen Zufahrt schon wieder etwas Afrika Feeling, denn es stehen Antilopen am Wegesrand und das ist nicht alles. Denn als ich mitten in der Nacht mein Alster wegbringen muss, stehe ich doch tatsächlich schlaftrunken vor einem schwarzweiß gestreiften Kopf! Da hab ich nicht schlecht geguckt und das Zebra auch nicht, es hat sich keinen Schritt zur Seite bewegt. Wer rechnet denn auch mit sowas so nah an der Stadt!?!

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Um 6.30Uhr geht der Wecker, denn wir wollen zeitig los, um möglichst früh am Nationalpark zu sein. Da man parallel zum Sambesi fährt und die Unterkünfte auch am Fluss liegen, erhoffen wir uns vielleicht ein ähnliches Camp wie das Croc Valley vorzufinden. Nach etwa 2 1/2 Stunden Fahrt werden wir 10km vor der Grenze zu Zimbabwe an einer Polizeikontrolle angehalten, unserer ersten in diesem Land. Der freundliche Policeofficer fragt nach der Versicherungskarte – kein Problem, das kennen wir schon. Als er dann aber nach dem Straßenbenutzungsgebührdokument fragt, schauen wir ihn etwas ratlos an. An der Grenze von Malawi nach Sambia mussten wir lediglich eine Zollgebühr von etwa 20$ zahlen und dafür haben wir auch den Beleg. Aber Straßengebühr? Davon war nicht die Rede. Nur gilt auch in diesem Land: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Alles Reden hilft nix, wir müssen eine Strafgebühr zahlen und dann an der nahe gelegenen Grenze das besagte Dokument kaufen. Na super, sehr nett. Man „vergisst“ einfach, den Touris an der Grenze sowas zu sagen und zockt sie dann im Nachhinein ab – coole Masche! Ziemlich angefressen steuern wir also das Büro an der Grenze an und erstehen den Wisch für weitere 20$. Abgehakt, weiter geht’s, wir haben noch 100km afrikanische Piste vor uns.

34-faehre-zum-lower-zambezi-npAber nach nur etwa 10km stehen wir vor dem Kafue Fluß, der auch in der Trockenzeit Wasser führt. Zum Glück gibt’s hier ein Ponton, welches Fahrzeuge und Leute von einem zum anderen Ufer bringt. Vorsichtshalber fragen wir die Leute, die von der Fähre runterfahren, was der Spaß kostet. Umgerechnet etwa 8 Euro – für 30m Bootsfahrt schon ne Menge find ich. Als wir dann aber auf dem Ponton stehen und ich den Kapitän das Geld geben will, sagt er: 30$ !! Moment – das sind ja mehr als 22€ ! Grund ist wieder mal unser ausländisches Kennzeichen. Das Boot hat bereits abgelegt ohne dass man die Gäste vorher über diesen Preis informiert. Auch ne tolle Taktik, denn der einzige Weg zurück ist ja wieder dieses Gefährt (also nochmal 30$)! Aber nun reicht es uns, Jens steigt auch aus und wir erklären den Jungs erst noch freundlich, dass wir nicht bereit sind, das zu bezahlen und wir sofort wieder zurückgebracht werden wollen. Als sie sich weigern, werden wir schon etwas ungehaltener und schließlich passiert`s – Janina greift zu unlauteren Mitteln und die Tränen fließen. Das hilft, denn nach einigen weiteren Diskussionen werden wir zurückverschifft und zwar umsonst. Leider werden wir den Park nun nicht mehr besuchen können, aber das ist ja nun wirklich reine Abzocke. Wir werden aber den Sambesi nochmal von Süden aus ansteuern, denn auf der simbabwischen Seite liegt der Mana Pool NP genau gegenüber. Frustriert ob dieses nicht so erfreulichen Morgens quartieren wir uns in einer Lodge ein, die einen Campingplatz direkt am Kafue River hat und ganz nett gelegen ist. Den Tag verbringen wir mit etwas Waschen, Keilriemen spannen, mit anderen Gästen schnacken und entspannen.

Wir lassen es uns nicht nehmen, wenigstens einen Blick auf Sambesi zu werfen und so führt uns das GPS am nächsten Morgen zur „Zambezi Breezer“ Lodge, die direkt an dem viert größten Fluss Afrikas liegt. Hier gefällt es uns spontan so gut, dass wir heute wohl die wirklich kürzeste Etappe der ganzen Reise gefahren sind, nämlich knappe 8km. Wir bauen unser Häuschen also mit freiem Blick aufs Wasser auf und lassen bei gelegentlichem Flusspferdgrunzen die Seele baumeln. 51-feierabendbierAls wir nachmittags tatsächlich noch einen Elefanten auf der gegenüberliegenden Uferseite sehen entscheiden wir uns, dass wir für morgen ein Motorboot samt Kapitän mieten und mal eine Safari vom Wasser aus unternehmen. Wir haben ja das Geld für die Spitzen-Fähre, das Camp am Park und den Parkeintritt selber gespart, und es wäre ja schade, wenn wir das behalten würden… Gesagt getan, voller Vorfreude auf dieses Ereignis machen wir uns bettfertig. Das mit dem Einschlafen ist aber so ne Sache, denn zu den Schnaufgeräuschen herannahender Hippos gesellt sich noch das freundliche Heulen einer Hyäne. Aha, was will man aber auch mehr, wenn man sich ein Camp in der Nähe gleich zweier Nationalparks aussucht? Und wenn man ganz angestrengt vermeiden will auf die Toilette zu müssen, dann muss man erst recht, richtig? Richtig, und das sieht dann so aus: Man zieht sich Schuhe an, man nehme eine Taschenlampe, man öffnet die Bullischiebetür etwa 20cm, dann leuchtet man mit der Taschenlampe die nähere Umgebung ab, dann steigt man mit einem Fuß aus dem Fahrzeug aus, schielt kurz unters Auto. Zweiter Fuß raus, einmal um die Autoecke drumzugeleuchtet. Nix, alles gut, ab zum Klohaus, der Weg dahin wird hektisch beleuchtet, jedes Geräusch ist eine spannende Sache. Der Rückweg gestaltet sich ähnlich, nur endet er mit einem erleichterten Zuknallen der Schiebetür.

36-check-checkDer Sambesi-Cruise beginnt pünktlich um 14Uhr am darauffolgenden Tag. Wiscott, unser Kapitän ist ein sympathischer  junger Sambier, der solche Touren seit 7 Jahren fährt. Das hört sich gut an, denn jetzt in der Trockenzeit haben alle Flüsse sehr wenig Wasser und mit all den Krokodilen und Hippos wäre es lustig, wenn wir unser Boot irgendwann von einer Sandbank runterschieben müssten. Wir kriegen ein Bötchen mit 8 Sitzen und sogar einem großen Sonnendach ganz für uns alleine, das heißt, alle Richtungen für spannende Fotomotive sind frei zugänglich. Und das ist auch gut so, denn wir sehen die Flusspferde heute so nah wie noch nie zuvor! Wiscott erzählt uns, dass diese Tiere bis zu 7min unter Wasser bleiben können und eine Gruppe immer nur ein Männchen hat. Wenn die Weibchen Junge bekommen, dann müssen sie sie verstecken, da der Alte sie sonst töten würde. Wenn ein anderes Männchen in die Nähe kommt, dann wird gekämpft und der Sieger wird der neue/alte Boss der Truppe. Und so ein Männchen, allerdings das unterlegene sollen wir schon kurze Zeit später kennenlernen. Wir dümpeln ca. 5m parallel zum Ufer dahin als plötzlich ein großer Nilpferdbulle, der sich gerade außerhalb des Wassers befindet das Laufen beginnt. Und das ist ne Sache, die macht einen erstmal sprachlos! 48-wer-daDas so ein unförmiges und plumpes Wesen sich mit 40km/h fortbewegen kann ist ein Bild, dass man nicht vergisst. Er zeigt uns sogar seine gewaltigen Zähne und steuert das Wasser an. Wiscott gibt uns kurz Zeit, diesen Anblick aufzusaugen, dann gibt er aber vorsichtshalber mal Gas. Ansonsten ist die Begegnung mit den großen Tieren im Wasser immer ähnlich. Alle Köpfe der Gruppe drehen sich in unsere Richtung, sie checken uns ab und tauchen dann unter. Manchmal wird vorher noch herzhaft gegähnt, wobei man das Gefühl hat, gleich renkt sich das Ding den Kiefer aus…

Außer Nilpferden sehen wir aber noch jede Menge anderer Tiere am Ufer. Wasserböcke, Warzenschweine, Buschböcke, Bee-Eater (bei uns in Europe heißen sie wohl Karminspinte), Fischadler und auch Elefanten. Eine Besonderheit des Sambesi ist, dass die Elefanten den Fluss überqueren und zwar schwimmend. Dieser Anblick ist uns nicht vergönnt, denn erstens wollen sie gerade nicht auf die sambische Seite rüber und zweitens könnten sie bei diesem Wasserstand laufen statt schwimmen. Und das kann ja nu jeder. Vielleicht sehen wir so etwas ja aber dann im nächsten Jahr, wenn wir auf der Simbabwischen Seite sind und wieder mehr Wasser im Fluss ist.

46-noch-n-krokoBleibt noch ein weiteres Highlight zu erwähnen. Bisher haben wir die Krokodile zwar zahlreich, aber nie so richtig in Action und schon gar nicht aus 2m Entfernung gesehen. Das soll sich heute ändern. Wiscott, der wie irgendwie alle afrikanischen Guides unheimlich gute Augen hat, schafft es, dass wir gleich mehrere wirklich große Krokodile direkt vor uns ins Wasser springen zu sehen. Sie liegen erst wie man sie kennt, völlig versteinert am Ufer. Sobald wir uns aber mit dem Boot nähern, kommt Leben in die Bude. Unglaublich wie schnell sich so ein langes muskulöses Monstrum bewegen kann! Wir haben ein paar tolle Aufnahmen machen können und standen wirklich Auge in Auge mit diesen fantastischen Urzeitwesen.

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Ein weiteres Nilpferdmännchen, das eine ziemlich große Wunde im Nacken hatte, wollte seine Wut wohl an uns auslassen. Es kam ins Wasser gelaufen und ist sogar noch einige Meter hinter uns hergeschwommen. Aber der Kapitän hat alles im Griff und wir sind mit vielen tollen Erlebnissen heile und gesund wieder an Land und sind froh, diese Tour gemacht zu haben. Morgen geht es wieder Richtung Lusaka zurück und dann weiter in den Norden.

  1. Tante und Onkel oder doch lieber Thekla und Josef aus Rheine

    Hallo,
    das sind ja mal wieder tolle Berichte und Bilder von euch. Die Unterschiede in den einzelnen Ländern Afrikas sind ja schon ziemlich groß und das die Afrikaner was von Abzocke verstehen, lernt man schon recht schnell. Anika ist ja jetzt auch wieder in Afrika und sie sollte auf dem Campus, wo sie arbeitet, ein Zimmer bekommen. Da aber keins frei war wollte man sie in ein Zimmer in ein Hotel für stolze 300$ im Monat stecken. Da Anika aber Afrika ja auch schon ein bißchen kennt hat sie mit Hartneckigkeit und einer Wartezeit von 7 Stunden dann doch ein Zimmer bekommen in einem kleinen Haus, das sie jetzt mit 3 Freiwilligen bewohnt und nur die Hälfte kostet. Man kann es ja mal probieren, mal schaun, ob so ein weißes Greenhorn drauf reinfällt. Euch wünschen wir weiterhin viel Freude auf eurer Tour und passt gut auf euch auf

  2. Mama und Papa Otte

    Hallo ihr Zwei!
    Falls ihr es vergessen haben solltet, es ist an diesem
    Wochenende Hagener Kirmes. Werden Morgen(Montag)
    auf dem Ferkelmarkt mal einen auf euch trinken
    und euch gut vertreten.Prost auf die Ottmeppens
    Damit sie ihre Abenteuer heil und gesund überstehen!
    Gruß aus Hagen

  3. Mama & Papa Altmeppen

    Hallo ihr zwei
    Wunderschöne Fotos und spannende ( für mich als sich sorgende Mama auch manchmal beängstigende ) Berichte.
    Die riesengroßen Unterschiede der einzelnen „Gegenden“ sind ja kaum nachzuvollziehen.
    Das Stadtfoto von Lusaka sieht so „westlich“ aus.
    Wenn ich diese Nähe der vielen großen, wilden Tiere zu euch auf den Bildern sehe, weiß ich nicht, ob es mich freut.
    Passt gut auf euch auf

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