Allgemein Afrika Sambia

Alle Wege fuehren nach Lusaka

28.09.-04.10.2011

Zurück in Lusaka werden wir gleich mit unserem nächsten Raubversuch begrüßt. Im dichten Stadtverkehr greift eine etwas verwahrloste Gestalt durchs offene Fahrerfenster und versucht ein Handy zu klauen, und das bei Schritttempo. Kleines Handgemenge auf dem Fahrersitz und der Schurke ist in die Flucht geschlagen. Schade, denn eigentlich hatten wir bis jetzt ein ganz positives Bild von Lusaka. Wir erledigen ein paar Einkäufe und legen dann auch weiter keinen Wert mehr auf das Großstadtflair. Uns zieht es weiter in Richtung Norden. Den ersten Stopp für die Nacht legen in der Fringilla Farm ein. Ein großer Bauernhof mit Gästehaus, Campingplatz und Restaurant.

Hier kann man sozusagen Ferien auf dem Bauernhof machen, mitten in Afrika. Im Restaurant gibt es dann Produkte aus eigener Erzeugung. Und heute gibt es ein Buffet für umgerechnet 10 €. Das sprengt zwar zugegebener Maßen unser Tagesbudget, aber den ganzen Leckereien können wir einfach nicht widerstehen. Und so richtig die Bäuche vollgeschlagen haben wir uns auch schon lange nicht mehr. Das musste mal sein.

55-rappenantilopeDie Fahrt Richtung Norden führt durch ein Gebiet, das ganz eindeutig von riesigen Farmen dominiert wird. Wir fühlen uns fast wie in Arizona. Riesige Weideflächen, riesige Kornfelder, riesige Rinderherden, riesige Entfernungen. Mitten drin liegt unser nächster Übernachtungsstopp. Das Nsobe Camp mit eigenem kleinen Wildpark. Zwar gibt es hier keine Raubkatzen, aber wir bekommen endlich unsere erste Rappenantilope vor die Linse. Nach der hatten wir schon im Ruaha und im South Luangwa vergeblich gesucht. Und auch andere Antilopenarten gibt es hier zu sehen. Insgesamt 12 verschiedene Spezies plus Zebras und Giraffen.

Tags drauf erreichen wir dann eine weniger schöne Ecke Sambias. Den sogenannten “Copperbelt“. Ein Kupferabbaugebiet, das mit riesigen Abraumhalden und viel Schwerindustrie aufwartet. Hier generiert das Land den Großteil seiner Devisen. Sehenswert ist dieser Teil allerdings nicht, also suchen wir auch schnell das Weite und biegen von der Hauptstraße ab zum “Chimfunschi Schimpansen Schutzgebiet“. Hier hat vor vielen Jahren ein englisches Paar eine Zufluchtsstätte für Primaten eingerichtet, die überwiegend aus dem Kongo und Zentralafrika befreit wurden. Die Schicksale der Menschenaffen reichen dabei vom potentiellen Fleischlieferanten bis hin zum Feuerzeuganzünder in einer Bar. 61-bitte-bitteViele wurden auch als Haustier gehalten und wurden ihren Besitzern dann irgendwann mal lästig. Hier im Schutzgebiet werden sie weitestgehend artgerecht in großen abgezäunten Arealen gehalten. Nur einmal morgens finden sich alle “Affenhaus“ zur Fütterung ein. Ein Spektakel, das natürlich von viel Lärm und durch die Gegend fliegenden Ästen und Steinen begleitet wird. Danach verkrümeln sie sich wieder in Wald, wo sie ihre Ruhe haben. Es gibt hier weit über 100 Schimpansen, die in vier große Gruppen aufgeteilt in ihren Gebieten leben. Plus das Waisenhaus. Wir lernen auch Christine kennen, eine junge Schimpansendame, die noch klein genug ist, um durch die Gitterstäbe des Käfigs zu klettern. Da sie aber noch auf ihre Mutter angewiesen ist, besteht kein Grund zur Sorge, dass sie weglaufen könnte. Das Schimpansenmädchen ist wenig kontaktscheu und schaut auch schon mal hinter die T-Shirts der Besucher, es könnte ja was leckeres dahinter verborgen sein. 59-gibts-hier-was-zu-essenNachdem wir uns von unseren nahen Verwandten (genetisch gesehen) verabschiedet haben setzten wir unsere Reise durch den Norden Sambias immer entlang der Grenze zum Kongo (DRC) fort. Die Gegend wird zunehmend menschenleerer und Autos sind auch nur noch vereinzelt unterwegs. Den nächsten Übernachtungsstopp legen wir an den Matunda Wasserfällen ein. Sehr idyllisch (fast schon kitschig) plätschert hier der Matunda Fluss über zahlreiche Kaskaden. Beinahe wie bei Winnetou. Hier offenbaren sich uns ganz nebenbei die sozialen Unterschiede Sambias sehr deutlich. Auf dem Gelände der Lodge genießt eine Gruppe offensichtlich eher besser gestellter Jugendlicher ihr üppiges Grillfest, während nur wenige Meter weiter einige Jungs in durchlöcherten Klamotten mit Stock und Schnur im Fluss nach dem Abendessen fischen.

63-matunda-falls

Von den Matunda Fällen geht es wieder in Richtung Süden, dem Kafue Nationalpark entgegen. In Kasempa hört die Teerstraße und auch der Verkehr auf. Auf der anschließenden Schotterpiste sind wir nahezu alleine unterwegs. Touristen gibt es hier oben eher selten. Wir wollen den größten Nationalpark des Landes (und einen der größten weltweit) von Norden her anfahren. Und hätten wir vorher nicht mit einem Ortskundigen gesprochen, wären wir wahrscheinlich an der Zufahrt zum Park vorbei gefahren. Denn an einer kleinen Buschpiste steht lediglich ein Hinweisschild auf einen “Außenposten“, nicht aber auf den Park selber. Und der Weg an sich sieht auch nicht wirklich befahren aus. Wir holpern durch den Wald und werden als erstes von Tsetsefliegen begrüßt, super! Nach fast 20 Kilometern stehen wir dann aber tatsächlich vor dem Tor zum Park und werden freundlich begrüßt. Der Mann sieht zwar eher aus wie ein normaler Dorfbewohner und nicht wie ein Parkranger, beantwortet aber all unsere Fragen sehr freundlich und kompetent. Er erläutert uns die Parkgebühren, die mit 55 $ (für 2 Personen inkl. Auto) erfreulich moderat ausfallen, und berichtet von großen Problemen mit Wilderern, die aufgrund der Größe des Park sehr schwer aufzuspüren sind. Da der Eintritt für den Park leider wieder einmal nur für 12 Stunden anstatt für 24 gilt, entschließen wir uns erst morgen hinein zu fahren. Heute würden wir die etwa 120 Kilometer (direkter Weg) bis zum Tor auf der anderen Seite an der Hauptstraße, die mitten durch den Kafue führt, nicht mehr schaffen. Also suchen wir ein nettes Plätzchen für ein Buschcamp. 65-auf-der-suche-nach-nem-bushcampWas sich allerdings als aussichtslos erweist, da wir überall sofort von Tsetsefliegen attackiert werden. Die Biester sind überall und besonders im trockenen Busch zu finden. Also schlagen wir entgegen unserer üblichen Gewohnheit unser Camp gut sichtbar mitten auf freiem Feld auf. Aber auch hier werden wir von den Plagegeistern belagert. Aber nach etwa 20 Minuten ist es nicht mehr ganz so schlimm und wir können weitgehen unbehelligt draußen sitzen. Bushcamping in der Nähe eines nicht eingezäunten Parks ist immer eine sehr interessante Sache, da sich die Tiere normalerweise nicht um die Linien auf der Landkarte kümmern und auch häufig mal die Grenzen überschreiten. Vor allem wer nachts unter einer schwachen Blase leidet, kann sich auf die eine oder andere spannende Minute freuen. Bei uns bleibt es heute Nacht allerdings ruhig. 67-sundowner-am-kafue-npUnd bei Einbruch der Dunkelheit verschwinden auch endlich die lästigen Tsetsefliegen. Allerdings werden diese dann sogleich von genauso lästigen Moskitos abgelöst. Wir tauschen also Schlafkrankheit gegen Malaria. Nur für circa eine halbe Stunde am nächsten Morgen kann man die Schönheit und Stille der Landschaft ungestört genießen und beobachten wie der Nebel über die weiten Grasflächen wabert. Um kurz nach 6 Uhr stehen wir wieder am Tor und auch unser Freund vom Vortag ist bereits da um uns Einlass zu gewähren.

Anders als bei den Parks, die wir bisher besucht haben, werden wir im Kafue nicht gerade von überschäumenden Leben begrüßt. Wer hier Wildtiere beobachten will, muss teilweise weite Wege zurücklegen und wissen, wo er die Tiere findet. Der Park ist insgesamt halb so groß wie die Schweiz. Wir legen zunächst mal sage und schreibe fast 80 Kilometer bis zu den Busanga Ebenen zurück und sehen unterwegs nur vereinzelt mal Antilopen und Warzenschweine. 71-schlammbad-gegen-sonnenbrandDurch die Ebenen allerdings fließt der Lufupa River, der das ganze Gebiet einmal im Jahr komplett überschwemmt und es beim anschließenden Wiederabtrocknen in eine große saftig grüne Wiese verwandelt. Hier finden wir auch problemlos Antilopen, Warzenschweine, Flusspferde, Krokodile, Elefanten und sogar Löwen. Eine der Raubkatzen trägt sogar ein nettes Halsband, vermutlich zur Ortung durch die Parkranger. Und die Elefanten hier im Kafue sind riesig. Leider spüren wir aber die hier ansässigen Geparden nicht auf, sehr schade. Und auch Leoparden bekommen wir keine zu Gesicht, aber das wäre ja auch schon fast wie ein Sechser im Lotto, egal in welchem Park. So etwa zur Mittagszeit müssen wir dann die nördlich gelegenen Busanga Ebenen verlassen und in Richtung Süden abbiegen, da wir den Park durch das Tor an der erwähnten Hauptstraße verlassen wollen. Auch von hier aus sind das noch über 100 Kilometer und auf den Feldwegen im Park sollte man immer eine gewisse Reserve einplanen.

69-loewen-in-den-busanga-plains

Je weiter südlich wir kommen, desto seltener treffen wir Wild an. Die Folgen der Wilderei sind unübersehbar. Am späten Nachmittag treffen wir dann wieder kurz vor der Ausfahrt aus dem Kafue mehrere Gruppen von Elefanten an. Allesamt eher schlecht gelaunt. Kurz vor Ablauf der “Besuchszeit“ verlassen wir den Kafue und kommen für heute im Mukambi Camp unweit der Parkgrenze direkt am Fluss unter. Mit 15 $ das bisher teuerste Camp, aber da wir schon 12 Stunden im Sattel sitzen und keine besondere Lust haben noch weiter zu suchen bleiben wir da. Beim Besuch der campeigenen Bar erleben wir noch eine “kleine“ Überraschung. Als wir durch die Tür kommen steht unweit von uns eine Nilpferdskulptur. Jedenfalls gehen wir zunächst davon aus, dass es sich um ein hölzernes Hippo handelt. 75-basil-das-kneipennilpferdAllerdings bewegt dieses “Holzpferdchen“ ein Ohr, blinzelt, und kann sogar mit dem Schwanz wackeln. Und als es dann auch noch den Kopf bewegt steht unzweifelhaft fest, dass das hier ein lebendes Nilpferd in der Bar ist! Unsere Münder stehen weit offen und ungläubig befragen wir die Dame hinter Bar und die bestätigt uns in eher beiläufigem Tonfall, dass das Basil sei und der komme seit 8 Jahren hier vorbei, um sich vor seinem Vater zu verstecken. Denn Nilpferdbullen neigen gerne dazu auch die eigenen männlichen Nachkommen zu töten, um so eventuelle Nebenbuhler zu beseitigen. Und hier in der Bar fühlt Basil sich halt wohl. Zur Sicherheit haben die Kellner Basil nach seinem Eintreffen mit Tischen und Barhockern “eingezäunt“, da es hin und wieder auch Barbesucher gibt, die vergessen, dass es sich bei dem Nilpferd immer noch um ein wildes Tier handelt. So sitzen wir also in der gemütlichen Sitzecke der Bar, keine 5 Schritte von einem leibhaftigen Nilpferdbullen entfernt und zweifeln ob wir träumen oder wach sind.

77-die-bergwachtAm nächsten Tag fahren wir entlang der Parkgrenze zurück nach Lusaka ins Eureka Camp, das wir schon von unserem ersten Besuch der Hauptstadt kennen. Hier treffen wir mal wieder auf andere Syncro Fahrer. Manfred und Ilona sind gerade auf Recherche-Fahrt für einen ihrer Reiseratgeber und kennen sich in Sambia ziemlich gut  aus. Wir relaxen den Rest des Tages im Camp und bereiten uns schon mal mental auf den morgigen 500-Kilometersprung zu den Victoriafällen vor. Zwar haben wir inzwischen schon des Öfteren gehört, dass diese kurz nach der Regenzeit und auf der simbabwischen Seite wesentlich imposanter sein sollen, aber da wir im nächsten Frühjahr wahrscheinlich da auch nochmal vorbei kommen, können wir uns dann ja unser eigenes Urteil bilden.

  1. Andreas Mo

    Hallo Janina und Jens,
    wenn ich mir das Bild von Eurem Lagerplatz auf dem Feld anschaue, dann kann ich mir einen Abend im Afrikanischen Busch so richtig gut vorstellen.
    Dazu ein kühles Bier (falls Ihr noch welches im Kühlschrank vorrätig habt) und alles ist gut. Natürlich bis auf die Moskito- und anderen Fliegen, die braucht man wirklich nicht.

    Viele Grüße aus dem herbstlichen Hamburg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »