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Ist das Abenteuer schon zu Ende?

05.10.-09.10.2011

Die Verbindungsetappe von Lusaka nach Livingstone an den Victoriafällen beträgt knappe 500 km und nimmt natürlich den ganzen Tag in Anspruch. Livingstone selber ist nicht allzu sehenswert, also suchen wir ein Camp außerhalb der Stadt. Im River Front Camp wimmelt es vor Overlandtrucks und wir suchen schnell wieder das Weite. Im Busch Front Camp sind wir beinahe alleine. Bis auf ein Paar aus Dresden und ein paar Elefanten, die nachts vorbei kommen. Die letzteren werden mit lauten Knallkörpern von den Nachtwächtern vertrieben und wir können am nächsten Tag ausgeschlafen die Fälle erkunden. Pro Nase sind 20 $ fällig und fürs Auto 5 $ Parkgebühr, die aber niemand kontrolliert. 80-vic-falls-2Und allen Unkenrufen zum Trotz, wir sind beeindruckt von dem Spektakel, das uns der Sambesi trotz eher Niedrigwasser hier bietet. Auf einer Breite von etwa 1,7 km stürzt das Wasser teilweise über 100 m tief in eine enge Schlucht, aus der es nur einen Ausweg gibt. Der gefallene Sambesi drängt am Danger Point durch einen schmalen Durchlass in der Felswand und setzt seine Reise Richtung indischem Ozean über spektakuläre Stromschnellen durch tiefe Schluchten im Zick-Zack Kurs fort, als hätte man einen Zollstock halb auseinander gezogen. Die 2 km lange so genannte Zweite Schlucht wird von einer Stahlbrücke überspannt, die Sambia mit Simbabwe verbindet und von der sich Wagemutige mit einem dicken Gummiband an den Knöcheln den tosenden Wildwassern entgegenstürzen können. Zwar findet man bei den derzeitigen Bedingungen keine ganz durchgängige Wasserwand vor sich, aber trotzdem reicht die Menge kühles Nass, die hier hinunter stürzt dazu aus, um es regnen zu lassen. Und zwar aus allen Richtungen. Mit lautem Getöse trifft der Fluss unten auf den harten Fels und das aufwirbelnde Wasser erzeugt einen feinen Nebel, den die Einheimischen “Mosi oa Tunya“ nennen, Rauch der donnert. 78-die-victoria-fallsDas tut er auch und steigt dabei zu seinen besten Zeiten angeblich bis zu 1600 m hoch, weshalb man ihn auch in einer Entfernung von bis zu 40 km noch sehen kann. Bis kurz vor der Kannte der Wasserfälle fließt der Sambesi noch träge dahin und man kann sogar bis ziemlich nah an die Schlucht heran gehen. Und auf der anderen Seite kann man bis zur Zweiten Schlucht herab steigen und die Stromschnellen am “Boiling Pot“  (Kochtopf) bewundern. Bei den hier herrschenden Temperaturen und der durch den Wassernebel erzeugten Luftfeuchtigkeit ist das allerdings eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit. Sollten wir nächstes Jahr im Frühling (Frühling auf der Nordhalbkugel) von der simbabwischen Seite wieder kommen, sind wir mal gespannt, ob die ganze Sache kurz nach der Regenzeit und somit bei Hochwasser dann noch spektakulärer ist. Wir haben unseren Besuch zur Nebensaison auf der “falschen Seite“ der Fälle jedenfalls nicht bereut.

86-faehre-nach-kazungulaDa wir jetzt so ziemlich alles, was wir auf unserer Sambiawunschliste hatten, gesehen haben, ist es am nächsten Tag Zeit sich auf den Weg nach Botswana zu machen. Wir haben uns für die Fähre bei Kazungula entschieden. Hier im Vierländereck zwischen Sambia, Simbabwe, Botswana und dem namibischen Caprivistreifen gibt es ein Ponton, mit dem man direkt über den Sambesi von Sambia nach Botswana kommt, ohne durch Simbabwe reisen zu müssen. So kann man sich ein Visum sparen. An der Fähre herrscht das übliche afrikanische Chaos und die Geldwechsler bieten einem auf dem Schwarzmarkt hier die gruseligsten Kurse an. Daher kaufen wir nur unser Fährticket (das man als Ausländer nur in US $ bezahlen kann!!!) und verzichten auf die Schwarzmarktkurse. In Botswana müssen wir dann allerdings feststellen, dass es dort weder einen Schwarzmarkt, noch eine offizielle Wechselstube gibt. Die anfallenden Gebühren für Straßenbenutzung und Versicherung (unsere COMESA CARD gilt ab Botswana nicht mehr) müssen aber in botswanischen Pula bezahlt werden. Und da man die an der Grenze gar nicht bekommt (was ganz nebenbei die grottenschlechten Schwarzmarktkurse auf der sambischen Seite erklärt), muss wohl oder übel einer von uns beiden erst ei87-tschuess-sambian Stück ins Land hinein fahren und am nächsten Geldautomaten ein paar Pula abheben. Wir müssen gestehen, eine eklatante Lücke in unseren Reisevorbereitungen ;-). Das stellt aber eigentlich kein größeres Problem dar und mit ein wenig Verspätung haben wir die Grenzformalitäten inklusive Desinfektionsbad für unsere Schuhe und die des Bullis (alle vier Reifen müssen durch ein Tauchbad) erledigt. Die Gebühren für Straßenbenutzung und Versicherung sind übrigens mit etwa 12 € vergleichsweise moderat.

Die erste Stadt die wir ansteuern ist Kasane und liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Und schon auf dem Weg dorthin fallen einem unweigerlich die großen Schäden auf, die Botswana’s enorme Elefantenpopulation verursacht. Fast alle Bäume und Büsche sind abgeknickt und abgefressen und der Boden ist übersät von großen Elefantendunghaufen. Kasane liegt am Zusammenfluss vom Chobe River und dem Sambesi ganz in der Nähe des Eingangs zum Chobe National Park, einer der Top Adressen, wenn es um Safaris geht. 03-urlaubsflairDer Botswanische Pula ist vergleichsweise stabil und man kann mit 1 zu 10 zwischen Euro und Pula umrechnen. Wir müssen also keine 1,5 Millionen mehr zum Tanken abheben, wie noch in Sambia. Wir steuern einen Spar Markt an, um unsere Lebensmittelvorräte wieder aufzustocken. Wir hatten alle frischen Nahrungsmittel vorsichtshalber in Sambia aufgebraucht, da es passieren kann, dass man diese in einer der Veterinärskontrollen in Botswana abgeben muss. Von den Preisen hier sind wir erst mal positiv überrascht, denn die sind im Gegensatz zu denen ab ca. Äthiopien das erst Mal wieder auf und teilweise sogar unter europäischem Niveau. Unser Camp für die nächsten Tage liegt nicht weit vom Supermarkt entfernt am Stadtrand von Kasane. Die Chobe Safari Lodge liegt direkt am Fluss und ist eigentlich eher ein vier Sterne Hotel mit angeschlossenem Campingplatz. Daher befürchten wir das Schlimmste, werden aber erneut positiv überrascht. Pro Person sind nur 7 € pro Nacht fällig. Das hätte schlimmer sein können und wir hatten schon schlechtere Unterkünfte für mehr Geld. Denn hier fehlt es an gar nix. Außer an Bushflair. Denn Swimmingpool, Souvenirshop und blitzblanke Sanitäreinrichtungen lassen eher das Gefühl eines Luxusurlaubs aufkommen. Aber warum nicht für ein paar Tage vom harten “Abenteurerdasein“ erholen? 😉

07-an-der-chobe-safari-lodgeUnser verdientes Feierabendbierchen genehmigen wir uns in der Bar direkt am Chobe River und staunen nicht schlecht. Waren wir gerade noch in einem klimatisierten, gut ausgestatteten Supermarkt nur wenige hundert Meter entfernt in einer schmucken Kleinstadt, stehen wir nun fast Auge in Auge mit hunderten Elefanten (keine Übertreibung), die am Fluss entlang trotten, durchs Wasser schwimmen oder auf einer der schilfüberwucherten Inseln bis zu den Schultern im Wasser stehen und fressen. Kurz vor Erreichen des zweihundertsten Dickhäuters haben wir übrigens aufgehört zu zählen. Scheinbar gibt es hier genug davon. Von den zig Wasserbüffeln und Antilopen ganz zu schweigen, Kokos und Hippos sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Der Zusammenfluss von Chobe und Sambesi erzeugt ein großes sumpfiges Gebiet, dass die Tiere in Scharen anlockt. Und so sind wir auch gar nicht mehr weiter erstaunt, dass wir im Garten der Hotelanlage direkt neben Warzenschweinen stehen, die auf den Knien liegend direkt vor uns grasen, Vögel auf dem Laptop herum hüpfen, während wir diese Zeilen hier schreiben und Streifenmangusten auf Beutezug unser Auto umkreisen. Ja, wir bleiben ein paar Tage und machen Urlaub vom Urlaub.

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Und als echte Pauschaltouristen gönnen wir uns doch mal eine geführte Tour in den Chobe Nationalpark, einen so genannten Game Drive. Also wiedermal früh aufstehen und um viertel vor 6 an der Rezeption einfinden. Mit einigen anderen verschlafenen Hotelgästen geht es dann im offenen Safari Wagen in den Park. Die Tour dauert zwar nur 3 Stunden, aber was wir in der vergleichsweise kurzen Zeit alles im Chobe NP zu sehen bekommen, sucht anderswo seines Gleichen. Wir sind ja nun schon ein halbes Jahr in Afrika unterwegs und waren in einigen Parks zu Gast, immer auf der Suche nach den utopischen Leoparden. 12-leopardenmama-mit-nachwuchsHier im Chobe sehen wir am frühen Morgen gleich drei davon. Wir sind noch gar nicht lange unterwegs, da entdeckt unser Fahrer eine Leopardendame, die sich entspannt auf einem großen Ast räkelt. Wenig später gesellt sich dann ihr Junges zu seiner Mama und die zwei spielen entspannt oben im Baum. Das bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Der Nachteil einer geführten Tour besteht nun aber leider darin, dass man fast immer jemanden dabei hat, der sich alle Mühe gibt, die Magie eines solchen Momentes durch sein sinnloses Gequatsche zu zerstören. So auch diesmal. Aber da wir wissen, dass solche Augenblicke im Leben abgezählt sind, blenden wir den Blödmann einfach aus und genießen.

Die beiden Leoparden entziehen sich nach einer Weile ihren Beobachtern und wir fahren weiter in den Park hinein. Wir sehen zwei stattliche Schreiseeadler, die majestätisch in den Bäumen sitzen und sich lautstark unterhalten. Einer der Beiden hat den Nachwuchs dabei, den man daran erkennt, dass er noch keinen weißen Kopf und Schwanz hat. Passend dazu ziehen weiter hinten mehrere Elefanten am Chobe entlang. 25-pferdeantilopeUnd auch die Rappenantilope, die wir lange gesucht und erst in Sambia gefunden haben, kann man im Chobe aufspüren. Erst treffen wir einen einzelnen Bullen und wenig später stürmen kurz vor uns gleich mehrere aus dem Busch in Richtung Wasser. Dabei folgen ihnen dann auch noch die seltenen und scheuen Pferdeantilopen, die wir bisher woanders noch gar nicht gefunden haben. Der Chobe NP gibt sich alle Mühe uns zu beeindrucken und das hat er innerhalb kürzester Zeit auch geschafft. Dass es hier auch die üblichen Verdächtigen wie Giraffen, Büffel, Warzenschweine, Hippos, Krokodile, Impalas, Kudus usw. usw. gibt müssen wir wohl nicht extra erwähnen. Und natürlich Elefanten in einer Anzahl, die überrascht. 31-mamafant-und-babyfantKurz vor verlassen des Parks sehen wir dann nochmal einen Leoparden und können es kaum glauben. Unweit der Raubkatze hat sich ein alter magerer Büffel wohl anscheinend zum Sterben niedergelegt. Aber leider fehlt uns die Zeit, um heraus zu finden, ob der Leopard die Gelegenheit genutzt hätte. Da wären jetzt das eigene Auto und damit die gewohnte Unabhängigkeit wieder von Vorteil gewesen. Aber wer weiß, ob wir dann überhaupt je einen Leoparden gesehen hätten….

  1. Andreas Toborg

    super reiseberichte und wünsche Euch viele Botswanamaultiere;) Empfehle für Namibia die Etoscha-Pfanne und bei Palmwag zu campen. grüsse Andreas aus Hamburg

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