Allgemein Afrika Namibia

Ohne Panorama-Kamera durchs Panorama-Land

05.11.-09.11.2011

Ab und an ist noch ein leichter Seufzer vom Beifahrersitz zu vernehmen, aber im Großen und Ganzen scheint Janina die verpasste Löwenbegegnung ganz verkraftet zu haben. Ziemlich pünktlich verlassen wir die Grenzen des Etosha Nationalparks und sind um ein paar Großwilderfahrungen reicher. Das nächste Ziel ist der Waterberg und Dank der guten Teerstraßen können wir mit vollen Segeln Richtung Süden brausen (das bedeutet in unserem Fall mit max. 90 km/h). 56-hier-auch-langsamIn Outjo wird Diesel nachgefüllt und in Otjiwarongo machen wir unseren Kühlschrank nochmal voll. Nachdem wir die nächsten Hügel überwunden haben kann man es schon aus der Ferne sehen. Das Waterberg Plateau. Ein zig Kilometer breiter und langer Tafelberg, der die ihn umgebende Landschaft um 200 Meter überragt und auf dessen Hochebene ein Tierschutzgebiet eingerichtet wurde. Dazu wurden seltene Tierarten oben auf dem Berg angesiedelt und sich mehr oder weniger selbst überlassen. Besucher gibt es dort oben so gut wie keine. Eine wahre Wildnis also und ganz nebenbei der einzige Ort in Namibia an dem es Büffel zu finden gibt. Und eine mehr als üppige Vegetation, denn über dem Sandsteinberg regnen sich die Wolken gerne mal aus. Und da das Massiv auf einer fast wasserundurchlässigen Lehmsohle steht, treten am Fuße des Waterberges unzählige Quellen zu Tage. Damit wäre dann auch wohl die Namensgebung geklärt. Leider spielt der Berg in der deutschen-namibischen Geschichte aber auch eine tragische Rolle. Denn genau hier war es, wo die deutsche Schutztruppe zur Kolonialzeit die letzte blutige Schlacht gegen die Herero geschlagen hat. Tausende kamen dabei ums Leben und wer seine Haut retten konnte wurde von den deutschen Soldaten in die Kalahari getrieben, in der die meisten der Überlebenden jämmerlich verdursteten. Ein Soldatenfriedhof zeugt noch heute davon, dass auch die Besatzer Verluste hin nehmen mussten.

44-blick-vom-waterbergWir kraxeln pünktlich zum Sonnenuntergang auf das Plateau hinauf. Zwischen den senkrecht aufragenden, rotbraunen Wänden führt ein kleiner Kletterpfad durch eine Spalte hinauf zum Rand des Berges, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf die darunter liegende Ebene hat. Hier hat man eine so weite Sicht, dass man fast mit bloßen Auge erkennen kann, dass der Horizont keine gerade, waagerechte Linie, sondern leicht gebogen ist. Wow! Ist die Sonne erst mal untergegangen, sollte man nicht mehr allzu lange mit dem Abstieg warten, sonst muss man im Dunkeln über die Felsen klettern.

Als wir dann am nächsten Morgen ganz gemütlich beim Frühstück sitzen, sehen wir sie schon über den Campingplatz streifen. Die Pavianpatrouille. Systematisch checken sie die Autos und Zelte der Besucher nach essbaren Dingen ab und kommen auch bei uns vorbei. Und mit dieser Dreistigkeit der Biester hätten wir nicht gerechnet. Denn einer der Affen steuert vollkommen zielstrebig auf unseren Tisch zu, an dem wir nach wie vor noch sitzen. Alles wilde Gefuchtel, böse Schimpfen und was man sonst so unternimmt, um lästige Tiere zu vertreiben, interessiert das Tier überhaupt nicht. Wie selbstverständlich tritt es direkt neben uns an den Tisch, greift beherzt zu und schnappt sich unser frisches Brot. Und wer einmal Pavianzähne aus der Nähe gesehen hat, riskiert seine Gesundheit nicht für Backwaren. Bei nächster Gelegenheit werden wir in eine Steinschleuder investieren….

Nachdem wir dann unser Frühstück mit dem alten, trockenen Brot beendet und zwischendurch immer wieder versucht haben einen der Strauchdiebe mit Steinen zu erwischen, packen wir unsere Sachen und ziehen weiter. Heute wollen wir zur so genannten Vingerklip. Dazu fahren wir zurück nach Otjiwarongo und biegen kurz danach Richtung Osten ab. 48-das-ist-afrikaansAb hier geht es über gut gepflegte weiße Schotterpisten zwischen großen Rinder- und Wildfarmen hindurch. Im Rückspiegel zeichnet sich eine lange weiße Staubfahne gegen den tiefblauen Himmel ab, die nur dann verschwindet, wenn wir mal an einem Viehgatter halten müssen, um uns selbst durch zu lassen. In der Ferne kann man schon die Spitzkoppe und den Brandberg sehen. Kurz vor dem Ziel führt die Schotterpiste durch das Flussbett des Ugab. In Namibia ist es nichts ungewöhnliches, dass die Straßen direkt durch die Flüsse führen, da diese nur in den seltensten Fällen, nämlich nur nach Regenschauern, auch mal Wasser führen. Bis auf die Grenzflüsse Okavango und Kunene im Norden und dem Oranje im Süden gibt es im ganzen Land kaum Flüsse, die ganzjährig Wasser führen. Und die, die es von Zeit zu Zeit mal tun nennt man Reviere. So ein Revier ist eben der Ugab auch und daher stellt die Durchquerung auch kein Problem dar. Auf der anderen Seite finden wir dann mal wieder Elefantenspuren, die die Straße entlang führen. Allerdings bekommen wir die Dickhäuter selbst nicht zu Gesicht.

Wir lassen heute die Fingerklippe links liegen und checken zunächst auf dem Campingplatz der Ugab Terrace Lodge ein. Die Lodge hat wohl die steilste Zufahrt, die wir den Bulli jemals herauf treiben mussten, teilweise sieht man gar nicht mehr, was sich vor dem Auto abspielt. 50-das-ist-mal-n-poolDafür wird man aber mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt und dem spektakulärsten Pool im Land, der sich eng in eine Felsspalte schmiegt und von dem aus man die weite Ebene darunter überblicken kann. Wir sprechen Urs, den Betreiber, auf die Elefantenspuren auf der Straße an und er berichtet uns, dass etwa 40 bis 50 Tiere den Ugab herauf gekommen sind und sich nun auf Wagner’s Farm herum treiben. “Machen da alles kaputt“, und seiner Stimme kann man entnehmen, dass sich die hiesigen Farmer im Gegensatz zu uns nicht gerade über Elefantenbesuch freuen. Übrigens ist der Sonnenuntergang hier oben auf dem Hügel auch nicht von schlechten Eltern.

Am nächsten Morgen statten wir dann also der Fingerklippe einen Besuch ab. Kaum zu glauben, dass das schmale Ding der Rest eines ehemaligen Tafelberges sein soll. Hier treffen wir mal wieder auf einen der roten Rotel Trucks.

Vingerklip inkl. Jens & Janina

Nachdem wir ausreichend auf dem Felsen herum geklettert sind, geht’s weiter Richtung Norden. Wir steuern die Epupa Fälle ganz im Norden des Landes an und wollen einen Zwischenstopp in Hobatere einlegen. Der Campingplatz liegt direkt neben dem Etosha Nationalpark. Wir kennen ihn schon aus dem letzten Namibiaurlaub und fanden ihn damals einfach nur gut. Wegen des eigenen Wasserloches und der Nähe zum Park ist Wild garantiert. Beim letzten Mal sind wir zum Gebrüll der Löwen ganz nah an den Zelten eingeschlafen (Gänsehaut). Diesmal treffen wir allerdings niemanden auf dem Campingplatz an und wir fahren extra 16 km über schlechte Wege in Richtung der Lodge, um dort zu erfragen, ob der Platz noch geöffnet ist. Dort erfahren wir, dass die Lodge bereits im Januar abgebrannt ist. Der Campingplatz soll aber angeblich noch in Betreib sein. Allerdings kommt uns die ganze Sache irgendwie spanisch vor und wir zeihen weiter. Da noch genügend Zeit bleibt, beschließen wir heute noch bis nach Opuwo durch zu fahren. Wirklich schade um Hobatere, ein toller Platz.

Unweit der Grenzen des Etosha National Parks müssen wir mal wieder durch den Veterinärzaun. In Richtung Norden ist es kein Problem sein Fleisch durch die Kontrollstation zu bekommen, denn der Kühlschrank wird nur kontrolliert wenn es in Richtung Süden geht. Also müssen wir unsere Lebensmittel erst gar nicht verstecken und fahren ohne weitere Verzögerung weiter.

57-hier-prallen-welten-aufeinanderOpuwo muss man einfach lieben. Nicht etwa weil dieses kleine staubige Städtchen im Norden Namibias so wunderschön wäre, im Gegenteil, eine Zierde ist Opuwo nicht gerade. Seinen Charme machen eher seine Einwohner und Besucher aus. Die “Hauptstadt der Himba“ liegt am Ende der großen Teerstraße die aus Windhoek kommt und sich hier in schlechte und weniger gute Schotterpisten aufteilt. Also kommt so ziemlich jeder, der in den Norden oder Nordwesten des Landes will zwangsläufig hier vorbei. Hier treffen sie alle zusammen, die vielen verschiedenen Volksstämme Namibias. Die Ovambo, die Herero, deren Männer stets Anzug und Hut tragen und die Frauen ihre weiten victorianischen Kleider mit der eigenartigen Kopfbedeckung. Die Nama, die Damara und natürlich die Himba, deren Frauen unverwechselbar von Kopf bis Fuß mit dieser roten Mischung aus Ocker, Fetten und Kräutern eingeschmiert sind. Dabei tragen sie lediglich einen Lendenschurz und allerlei Schmuck, der anzeigt ob sie heiratsfähig oder schon verheiratet sind, wie viele Kinder sie haben und sonstige soziale Umstände. Eigentlich besteht das Städtchen nur aus zwei Straßen, einer Tankstelle und einem Supermarkt, aber trotzdem könnte man sich hier tagelang einfach auf einen Stuhl setzten und sich das bunte Gewusel anschauen, ohne dass einem langweilig werden würde. Hier findet man noch das bunte Treiben, dass man woanders in Afrika schon lange vergeblich sucht und das sowohl Augen, Ohren und Nase in vollem Maße beansprucht.  58-in-opuwoSteht man z.B. im Supermarkt an der Kasse an ist es nicht ungewöhnlich in einer Schlange mit einer topgestylten, Kaugummi kauenden Teenagerin, einer traditionell gekleideten Hererofrau und einem abgerissenen, gestrandeten Touristen zu stehen. Und füllt sich die Luft mit herben Gerüchen nach Kräutern, liegt das nicht etwa am Gewürzregal. Man sollte sich dann nicht erschrecken, wenn hinter einem eine barbusige, rot bemalte Himbafrau steht, um ein Paket Maismehl zu kaufen. Wie wir finden Afrika at its best und beinahe schon alleine die 37.000km Anfahrt wert.

Wir saugen ein wenig des Lebens in Opuwo in uns auf und checken dann im hiesigen, gemeindeeigenen Camp ein. Außer uns sind nur wenige andere Gäste da, lediglich die Einheimischen sitzen im Schatten zusammen und kochen in mehreren großen Gusseisentöpfen ihr Abendessen. Auch wir schmeißen den Grill an und lassen den langen Tag mit vielen Kilometern gemütlich ausklingen.

Der erste Stopp am nächsten Morgen ist der besagte Supermarkt im Ort. Wir haben beschlossen direkt nach den Epupa Fällen für etwa eine Woche im Kaokoveld zu verschwinden und da es dort oben nichts zu kaufen gibt, füllen wir unsere Vorräte (Lebensmittel, Wasser und Diesel) dementsprechend auf. Vor dem Supermarkt gabeln wir aber erst mal einen gestrandeten Dänen auf, der seit einer Woche versucht sein defektes Motorrad von hier weg zu bekommen. Wir bringen ihn mit einem der Jungs vom Campingplatz in Kontakt, der versucht ihm weiter zu helfen.

63-himbamama

Für uns geht es weiter über Schotterpiste den Epupa Wasserfällen am Kunene entgegen. Hinter Opuwo hört wie gesagt die Zivilisation auf. Man findet lediglich mal ein Himba Kral links und rechts des Weges. An einem dieser Himba Dörfer machen wir halt und checken, ob wir als Besucher geduldet werden. Gegen die sagenhafte Gebühr von einem Euro dürfen wir uns das Dorf anschauen und werden sogleich vom Minichief auf freundlichste begrüßt. Der vermutlich etwa zweijährige Knirps strahlt über alle vier Backen und schüttelt begeistert unsere Hände. 61-minichiefEine der Frauen führt uns durchs Dorf und zeigt uns wie man als Himba lebt. Zwei junge Männer sind gerade damit beschäftigt eine soeben geschlachtete Ziege zu häuten, ein anderer gerbt das Fell eines Schafes, das wohl gestern schon dran glauben musste. Der Rest des Schafes liegt grob zerhackt in einem großen Topf und köchelt auf dem offenen Feuer vor sich. Dekorativ liegt der Schädel des dahin geschiedenen Tieres oben auf und blubbert im eigenen Saft. Wie es sich gehört bekommen wir natürlich auch was davon angeboten….

Der junge Mann, der das Fell gerbt, entpuppt sich als Bruder des Dorfchefs und übernimmt kurzerhand den Rest der Führung. Den Besuch in Oma’s Schlafzimmer lehnen wir dann aber doch dankend ab, da Oma noch drinnen liegt und schläft. Natürlich ist der Minichief wieder zur Stelle, als wir uns von den Kralbewohnern verabschieden und seine sommersprossige Schwester 67-auch-himba-haben-sommersprossen(oder Tante, oder Cousine oder so) hat er auch gleich mit gebracht. Wir lassen noch ein wenig Zucker, Kopfschmerztabletten und „Jolly Juice“ (ähnlich unserer Ahoi Brause) da und fahren weiter durch die Hügel des Nordens. Kommt man über die letzte Kuppe zum Flusslauf des Kunene, drängt sich einem unwillkürlich der Eindruck auf, man nähert sich einer Oase. An den Ufern um die Wasserfälle herum steht ein üppiger Makalanipalmenhain, in dessen Schatten auch zwei Campingplätze angelegt sind. Wir entscheiden uns für den Omarunga Campsite und mieten uns gleich mal für zwei Nächte ein. Der Wasserstand im Kunene ist zurzeit ziemlich tief und bei einem Besuch an den Wasserfällen stellen wir fest, dass beinahe nur ein kleines Rinnsal in die Schlucht hinab plätschert. Aber schon am nächsten Morgen sieht die Sache ganz anders aus. Weiter stromaufwärts liegt an den dortigen Ruacana Fällen ein ziemlich großes Wasserkraftwerk an dem der Kunene gestaut wird. Und gestern Abend muss wohl jemand den Wasserhahn aufgedreht haben, denn über den Tag verteilt steigt das Wasser immer höher und am frühen Abend rauscht der Wasserfall fast in voller Breite und lässt einen deutlich sichtbaren Wassernebel aufsteigen. Allerdings zieht sich auch der Himmel weiter zu und es bläst ein kräftiger Wind. So stark, dass aus den Palmen über unserem Platz die Palmenwedel herunter kommen. Einer durchschlägt unsere Wäscheleine (immer wenn wir irgendwo für mehr als einen Tag stehen, wird gewaschen) und ein zweiter kommt knapp neben dem Bulli auf. Es wird schon fast ungemütlich.

Außer Waschtag ist auch noch Autopflegetag angesagt. Das heißt: Motorhalterungen checken, Luftfilter reinigen, Ölcheck usw. und da wir ins Gelände wollen auch noch Luftdruck senken. Nach zwei Tagen auf der faulen Haut können wir mal wieder ein bisschen Action gebrauchen….

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