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Abenteuerland Kaokoveld

10.11.-14.11.2011

Einer unserer Reiseführer beschreibt das Kaokoveld (oder auch Kaokoland) wie folgt: “Dem Reisenden steht nur eine sehr dürftige touristische Infrastruktur zur Verfügung“. Gut! Wir hoffen das bleibt auch noch ein Weilchen so. Unsere Vorräte sind aufgefüllt, das Fahrzeug ist vorbereitet, dann kann’s ja losgehen. Auf ins Abenteuerland Kaokoveld. Wir werfen noch mal einen Blick zurück auf die Epupa Fälle und biegen dann in Okangwati in Richtung Westen ab. Bis nach Otjitanda vertritt eine unserer Straßenkarten die Ansicht, es handle sich um eine gut befahrbare Schotterpiste. 74-laut-karte-gute-schotterpisteDahinter wird dann die Strecke etwas holpriger. Also planen wir für den Weg bis nach Orupembe mal zwei Tage ein. Von einer gut befahrbaren Schotterpiste kann dann aber kurz hinter Okangwati keine Rede mehr sein. Eigentlich nicht mal von einer schlecht befahrbaren Schotterpiste. Denn die Straße hier hat eher einen Feldwegcharakter. Es geht über scharfkantige Felsen, durch trockene Flussbetten und über Stock und Stein. Im Prinzip kein Problem. Da wir genügend Vorräte dabei haben, müssen wir lediglich unseren Zeitplan ein wenig anpassen. Für ein, zwei Extratage wird’s schon reichen. So kriechen wir also durch die abgeschiedenen Berge, vorbei an dem einen oder anderen Himba Kral, denn was anderes gibt’s hier oben nicht. Hin und wieder stehen ein paar Kinder an der Straße, winken und schauen uns neugierig hinter her. So oft kommen hier wohl keine Touris lang. Wir sind schon einen halben Tag unterwegs als die Strecke zusehends schlechter wird. Schließlich stehen wir vor einem steil abfallenden Pass, der über mehrere hohe Stufen in ein Flussbett hinterunter führt. Wir stoppen und ich schaue mir den Weg zunächst einmal zu Fuß an. Unten im Flussbett angekommen muss ich dann feststellen, dass die Strecke auf der anderen Seite noch steiler den Berg wieder hinauf geht und das auch noch über große Felsbrocken mit starken Verschränkungen. 75-gib-gasMan könnte den Weg zwar mit den herum liegenden Steinbrocken ausbessern, aber trotzdem bleibt dieser Anstieg ein Wagnis. Wir wägen Für und Wider ab und kommen zu dem Schluss, dass wir uns mit Totalausfällen des Fahrzeugs in abgeschiedenen Regionen mehr als genug auskennen. Wären wir mit mehreren Fahrzeugen unterwegs und hätten nicht noch mehrere tausend Kilometer mit dem Syncro zu erledigen, hätten wir es wahrscheinlich versucht. Aber hätte, wenn und aber haben wir schon vor langer Zeit aus unserem Wortschatz gestrichen und so beißen wir in den sauren Apfel und wenden das Fahrzeug auf dem steilen Pass. Unsere erste bittere Niederlage, denn zum ersten Mal müssen wir tatsächlich umdrehen. Aber das Risiko ist einfach zu groß. Den Berg runter kommen wir auf jeden Fall. Aber sollten wir den Anstieg auf der anderen Seite nicht schaffen, stecken wir mitten in der Einsamkeit in einem Flussbett fest und müssten unter Umständen etwas länger auf Hilfe warten. Und da der Himmel schon seit Tagen dunkelgrau mit Regen droht, halten wir das für keine gute Idee. Leicht geknickt treten wir den Rückzug an, aber nicht ohne dem Pass nochmal einen bösen Blick zuzuwerfen und uns die GPS Koordinaten zumindest im Geiste zu notieren. Wir kommen wieder mein Lieber und dann mit mehr POWER!!! (Grunz). 76-himbajugendWir scherzen unterwegs noch ein bisschen mit den Himbakindern, die sich offenbar ebenso für uns interessieren, wie wir uns für sie. Es ist schon faszinierend, dass sich dieses Volk solange seine ursprüngliche Lebensweise bewahren konnte. Das liegt unter Anderem sicherlich auch an der Abgeschiedenheit der Region. Aber ein Leben unter diesen Umständen hat auch Schattenseiten. Hohe Kindersterblichkeit, schlechte medizinische Versorgung und niedrige Lebenserwartung. Trotzdem wäre es Schade, würde dieses Volk seine Traditionen verlöre.

Heute schaffen wir es auf keinen Fall mehr zurück bis nach Opuwo , also suchen wir uns ein nettes Plätzchen für ein Bushcamp und finden dieses auf der Kuppe eines Hügels, von dem aus wir einen sehr schönen Überblick über die Berge haben. Hier werden wir lediglich von lästigen kleinen Mopanebienen belästigt.  Am nächsten Morgen rumpeln wir zurück nach Opuwo, füllen nochmal Diesel auf und wählen eine andere Strecke nach Orupembe. 83-himba-sommerresidenzDiesmal über Kaoko Otavi. Die Straße bis dorthin kann man tatsächlich als gut befahrbare Schotterpiste bezeichnen. In Kaoko Otavi quert man dann ein kleines Rinnsal, das quer über die Straße fließt und ein kleines grünes Band in die ansonsten eher sandfarbene Landschaft zaubert. Dieses grüne Band ist mehr oder weniger die Grenze zwischen guten und schlechten Straßen. Denn ab hier beginnt es wieder, das nervige Wellblech. Aber trotzdem ist die Strecke immer noch um Welten besser, als das, was wir gestern unter den Rädern hatten. Und so kommen wir ganz gut voran und passieren kleine Örtchen, die manchmal nur aus einem einzigen Haus bestehen und es trotzdem bis auf die Straßenkarte geschafft haben und durchqueren auch heute wieder einige trockene Reviere. Bis nach Orupembe schaffen wir es aber auch heute nicht und so übernachten wir erneut in einem Bushcamp direkt am Ufer eines der Zuflüsse des Hoarusib (natürlich derzeit auch trocken). Am nächsten Tag erreichen wir dann endlich Orupembe. Ein Örtchen in dem es außer einer windgetriebenen Wasserpumpe und einer Polizeistation nur noch einen kleinen Laden namens “Orupembe Shop #1“ gibt.

85-orupembe-shop-no-1

Von hier aus führt eine Straße in Richtung Norden zur weltbekannten Roten Tonne (Roidrom) und weiter ins Marienflusstal und die Hartmannsberge. Dort oben in der nun wirklich abgeschiedensten Ecke des Landes findet man den Van Zyl’s Pass, quasi eine Ehrenauszeichnung für jeden Off-Roader, der ihn bezwungen hat. Aber nach der gestrigen Niederlage steht uns der Sinn immer noch nicht nach Achsbruch und die Region kennen wir auch schon von unserem letztjährigen Namibiaurlaub. Wir biegen nach Süden ab und halten uns Richtung Puros. Die Strecke dorthin haben wir auch noch vom letzten Jahr in Erinnerung. Ohne Übertreibung das wohl gemeinste Wellblech, das wir auf der gesamten Afrikareise ertragen mussten. Die Abstände der Wellen sind nicht nur besonders lang, sie sind auch noch extrem tief. Bezüglich des Fahrens auf Wellblechpisten gibt es nur zwei Philosophien. 1. Vollgas und versuchen nur die Spitzen der Wellen mit den Rädern zu berühren. Also quasi von Buckel zu Buckel zu springen. Wer das mal versucht hat, leidet unweigerlich mit seinem Material. Das ganze Fahrzeug rappelt und scheppert. Aber immer noch in einem geringeren Maße als wenn man mit einer mittleren Geschwindigkeit jede Kuppe und jedes Tal der Wellen mitnimmt. Unsere bevorzugte Herangehensweise bei derartigen Straßenverhältnissen ist mal wieder die Entdeckung der Langsamkeit und somit Möglichkeit Nr.2. 86-haben-die-sich-verlaufenWir haben jede Menge Zeit, aber nicht unendlich viele Ersatzteile im Gepäck und ganz nebenbei bekommt der Fahrer so auch noch wenigstens etwas von der Landschaft mit (und die ist mehr als sehenswert). Denn je höher das Tempo, desto mehr muss man sich auf die Straße und ihre Tücken konzentrieren. Fehler enden da schnell mit einer Panne oder Schlimmerem. Wir staunen (auch beim zweiten Mal) immer wieder, dass man in dieser so lebensfeindlich wirkenden Landschaft doch immer wieder auf Tiere trifft. Wo kriegen die ihr Wasser her?

So laufen wir mit gemütlichem Tempo am späten Nachmittag in Puros ein und bleiben für die Nacht auf dem Campingplatz der Gemeinde. Windig ist es hier und wir werden ordentlich mit dem feinen Wüstensand gepudert. Günther unser letztjähriger Guide hatte uns im Camp von Puros klar gemacht, dass man sich hier oben in diesem Teil des Landes in der Wildnis befindet und dass es hier dementsprechend auch wilde Tiere gibt. Und als wir am nächsten Morgen das Camp verlassen, finden wir auch gar nicht weit entfernt ziemlich beindruckende Löwenspur. Aber die dazu gehörige Katze erspähen wir leider nicht.

Buschklo und Buschdusche

Die Straße von Puros nach Sesfontein ist auch in keinem viel besseren Zustand als die von gestern. Also bummeln wir mal wieder durch die Landschaft. Links und rechts des Weges findet man immer wieder die mysteriösen Hexenkreise (Fairycircles), deren Entstehen noch nicht so ganz eindeutig geklärt ist. Überall in der Grasebene sind kreisrunde Flecken einfach kahl. Man munkelt es seien Termiten, die die Wurzel der Gräser abfressen. Aber wer weiß?

92-hexenkreis

Wir erreichen Sesfontein, eine alte deutsche Polizeistation, die heute als Lodge dient. Ab hier werden die Straßen wieder ein bisschen besser und wir nehmen “Tempo“ auf. Vorbei an Ongongo, wo es einen wirklich schönen Naturpool gibt, der von einer heißen Quelle gespeist wird, fahren wir nach Palmwag. Und auf dem Weg dorthin begegnen wir ihnen dann doch noch. Den Wüstenelefanten. Genetisch unterscheiden sie sich von ihren “normalen“ Artgenossen zwar nicht, sie sind aber dennoch erkennbar kleiner. Das liegt wohl ganz einfach an den kargen Umständen unter denen sie leben müssen. Ihre Lebensweise hat sich über die Jahrtausende den trockenen Bedingungen angepasst und mittlerweile kommen sie länger ohne Wasser aus als so manch anderer Wüstenspezialist.

95-tierparadies-bei-palmwagPalmwag ist ein so genanntes Konzessionsgebiet und liegt direkt nördlich des Veterinärzaunes. Das heißt es handelt sich nicht um einen eingezäunten staatlichen Park, sondern das Gebiet ist in privater Hand. Jeder der hier auf Safari gehen will, muss vorher eine Erlaubnis einholen. Dafür ist man dann in Mitten wirklich wilder Tiere, die ganz ohne Zaun leben. Und ganz nebenbei, es gibt in diesem Teil des Landes und dem angrenzenden Damaraland die angeblich größte Spitzmaulnashornpopulation in  ganz Afrika. Wir checken in der Palmwag Lodge ein und erholen uns erst mal zwei Tage von den schlechten Straßen des Nordwestens und belohnen uns mit dem atemberaubenden Ausblick über die Tafelberge und die Grassavannen auf denen sich die Springböcke tummeln. Wir haben mittlerweile die Grenze zwischen Kaokoveld und Damaraland überschritten und nähern uns wieder der Zivilisation. Vermutlich das letzte Mal für längere Zeit, dass wir Fuß auf wirklich wildes Gebiet gesetzt haben.

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