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Durch den Wilden Westen Namibias

24.11. – 27.11.2011

138-cardboard-box-backpackersDie Cardboard Box ist eine nette lebhafte Unterkunft und man kann zu Fuß in die Innenstadt von Windhoek laufen. Die „Fußgängerzone“ erstreckt sich über die „Independence Avenue“  mit einigen kleinen Nebenstraßen. Wir schlendern hier ein wenig rum, trinken guten Kaffee und essen ein Stückchen Kuchen in dem Straßenkaffee wo wir letztes Jahr auch gesessen haben (ich glaube wir hatten sogar denselben Tisch 😉 ). Etwas seltsam sind die ganzen Weihnachtsdekorationen die auch hier natürlich schon vor dem 1. Advent zu finden sind. Wenn man an so nem bunt geschmückten Weihnachtsbaum vorbeigeht und man bei zu langem Bestaunen einen Sonnenbrand im Nacken kriegt – da kann keine Weihnachtsstimmung aufkommen!

136-joes-beerhouseEin Muss bei einem Windhoekbesuch ist ein Essen in Joe´s Beerhouse. Bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt ist dieses Restaurant ein wirkliches Erlebnis. Alleine die Dekoration lohnt einen Besuch. Über der Eingangstür hängt ein Mini Cooper aus Portugal, den zwei Portugiesen dem Ladenbesitzer vermacht haben, nachdem ihre Tour von Mozambique nach Angola an der angolanischen Bürokratie gescheitert ist und sie sich hier den Frust weggetrunken haben. Wir bestellen uns zwei Fleischgerichte mit allen Wildarten, die man hier so essen kann: Zebra, Strauß, Kudu, Oryx, Springbock und Krokodil. Lecker!

Nach 4 Tagen auf der faulen Haut rumliegen und sich die Wäsche von richtigen Waschmaschinen (!) waschen zu lassen, zieht es uns heute wieder raus aus der Stadt. Leider hat das Treffen mit Günther nicht geklappt, da er doch nicht in Windhoek abgestiegen ist und somit hält uns hier auch nichts mehr auf. Mit wieder voller Gasflasche fahren wir also Richtung Süden, Ziel ist Sossusvlei. Für die etwas mehr als 300km lange Strecke braucht man nicht nur gutes Sitzfleisch – ausgeschlafen muss man sein! Denn im südlichen Namibia überwiegt das Farmland. 140-keine-kurve-fuer-52kmDas heißt, es geht kilometerweit schnurgeradeaus vorbei an eingezäunten Weidegebieten (wobei man das hier angesiedelte Wild selten zu sehen bekommt). Gegen Abend kommen wir dann endlich am heutigen Etappenziel an, die Betesda Lodge, die uns von der netten Dame im St. Nowhere Camp (Skelettküste) empfohlen wurde. Wir freuen uns eigentlich auf die wohlverdiente Abkühlung im Pool, doch leider ist dieser völlig überfüllt mit lauten schwitzenden Overländern L . Wir entscheiden uns einstimmig gegen eine Audienz mit diesen Leuten zumal auch ein interessantes Ölfilmgemälde auf dem Wasser auszumachen ist. Da wir morgen zeitig loswollen zum etwa 100km entfernten Sossusvlei, lassen wir uns unseren selbstgemachten Gemüseeintopf und das obligatorische Sundowner Bierchen schmecken und gehen früh schlafen. Leider lassen dies die bereits erwähnten Mitbewohner nicht so wirklich zu. Eine Frau scheint den schlechten Handyempfang (mitten in der Wüste bei einem 40km weit entfernten Sendemast) durch lautes in-den-Hörer-schreien kompensieren zu wollen und das auch noch in meiner Lieblingssprache – holländisch! Oh neeeeinnnn! Die Person am anderen Ende scheint entweder aufgelegt zu haben oder bereits taub geworden zu sein, trotzdem gibt die Frau alles und brüllt jedes Wort mehrmals in ihr Handy – unterbrochen nur von einem immer wiederkehrenden „Hallo? Verstehst du mich?“

145-eine-andere-seite-des-namib-naukluft-npAm nächsten Morgen, 6 Uhr, der Wecker klingelt. Absolut ausgeschlafen machen wir uns auf den Weg und fahren 20km kurvenlose Piste nördlich, danach 20km strichförmige Piste Richtung Osten und schon stehen wir vor der Rezeption zum Namib Naukluft Nationalpark, in dem sich das berühmte Sossusvlei befindet. Hierbei handelt es sich um eine Lehmsenke, die von riesigen Sanddünen umschlossen ist. Kurz haben wir überlegt unsere gut erzogene deutsche Schule zu vergessen und ohne Eintritt reinzufahren, aber nein – das macht man nicht! Und siehe da – zum ersten Mal in Namibia werden wir tatsächlich an einem weiter im Park befindlichen Tor nach der Einfuhrerlaubnis gefragt! Aha, gut dass wir so ehrliche Menschen sind. Nach einigen Kilometern erreichen wir die Düne 45, eine 170m hohe Sanddüne, die man besteigen kann. Wir frühstücken hier erst einmal und bewundern den grandiosen Anblick der Düne, denn es ist sehr stürmisch heute und der Wind lässt den Wüstensand tanzen. Ein wirklich toller Anblick! Schließlich machen wir uns dann aber auch mal an den Anstieg. Hier zeigt sich nur mal wieder, dass wir die letzten 8 Monate nicht so richtig viel Sport gemacht haben außer am Lenkrad unseres Busses zu drehen und gelegentlich mal ein Rad zu wechseln oder den Bulli anzuschieben. Machen wir´s kurz – die 170m schaffen wir nicht. 146-fast-geschafftMacht aber nix, der Ausblick den wir von (fast) oben genießen konnten, ist auch nicht von schlechten Eltern. Rot gepudert (denn die Sonnencreme auf unserer Haut hat den Sand freudig aufgenommen), setzen wir unsere Fahrt Richtung Westen fort. Schließlich gelangen wir an einen Parkplatz. Von hier aus darf man nur mit Allradfahrzeugen weiterfahren, da ab jetzt Tiefsandpiste vorherrscht. Unsere Erfahrungen haben gezeigt: Tiefsand und ein 1,6L kleiner Motor mit fast 3 zu befördernden Tonnen – das geht schon mal schief. Also schwingen wir uns in einen bereitgestellten Shuttle-Landrover und lassen uns für schlappe 10Euro pro Nase (das ist mehr als der Parkeintritt) an den Ort des Begehrens chauffieren. Am Wegesrand abgestellte Leihwagen zeigen uns, dass auch andere 4×4 Fahrer unserem Beispiel hätten folgen sollen… Schließlich werden wir ausgeladen und müssen noch 1,1km über flache Dünen kraxeln bis wir am sogenannten „Dead Vlei“ ankommen. Das bedeutet tote Lehmpfanne und genau das erwartet uns auch. Man muss das mal gesehen haben. Irre! Es ist knalle heiß, die Dünen leuchten rot, und plötzlich öffnet sich eine Fläche, die aussieht wie ein vertrockneter See. Der Boden ist weiß, der Lehm aufgeplatzt, die Reste mal vorhandener Kameldornbäume schwarz. Und über allem thront der tiefblaue Himmel. Man kann nicht glauben, dass hier irgendetwas zu leben vermag. 148-dead-vlei-tote-lehmpfanneAber man sieht tatsächlich Spring- und Gemsbockköddel und auch eine Pflanzenart die sogar Früchte zu tragen scheint! Am witzigsten finden wir die schwarzen Käfer, die ihren Hintern in die Luft strecken und sich das dort ansammelnde Kondenswasser über ihren Rücken zu ihrem Maul laufen lassen. Wir sind wirklich beeindruckt von dieser einmaligen Landschaft. Das eigentliche etwa 1km entfernte Sossusvlei dagegen hat an dem Tag wo wir da sind sogar Wasser. Nur alle paar Jahre, wenn der Tsauchab-Fluß Wasser führt, gelangt auch etwas hierher. Ah ha, darum auch die frischen Tierhinterlassenschaften…

Offen bleibt die Frage, wo der ganze Sand überhaupt herkommt. Man munkelt, dass die Dünen bereits 5 Mio. Jahre alt sind und irgendwann mal aus der Kalahari ins Meer und zurück hierher geweht wurden. Wie auch immer, der Besuch hat sich gelohnt. Und nette Leute haben wir auch kennengelernt. Peter und Michele, ein sehr sympathisches Paar, das schon überall auf der Welt gelebt und ein super interessantes Leben hat. Bei den beiden kann man sagen, sie haben sich selber von der Pike auf hochgearbeitet, haben jetzt erfolgreich eine Butler Akademie abgeschlossen und sind sehr gefragte Leute in der High Society. Hut ab, dafür muss man schon ordentlich Mut aufbringen und sein Privatleben oftmals zurückstellen…

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Der Sesriem Canyon, den wir auch noch anschauen, ist da weniger spektakulär. Hier hat der bereits genannte Tsauchab Fluß einen 30-50m tiefen Graben in den Boden gegraben. Auch hier findet Jens einen Tümpel mit Wasser, der aber leider noch nicht groß genug ist, um sich darin den Sand abzuwaschen. Übrigens hat der plattdeutsch-sprechende hier mal wieder einen klaren Vorteil, wie so oft im südlichen Afrika. Der Name Sesriem, ihr habt‘s erraten, beudetet: Sechs Riemen. Die waren nämlich zusammengeknotet notwendig, um von der Kante des Canyons aus an das weit unten liegende Wasser zu kommen. Die Riemen kamen damals von den Ochsenkarren, vor denen auch gerne mal bis zu 20 Ochsen gespannt waren. Also konnten auch die Riemen ziemlich lang sein….

Mit vielen tollen Eindrücken fahren wir zurück zum Camp, springen in den heute leeren Pool, genehmigen uns einen kühlen Rock-Shandy und gehen früh schlafen.

Am nächsten Morgen geht die Reise weiter Richtung Lüderitz. Wir werden die Etappe nicht an einem Tag schaffen und somit haben wir es nicht sonderlich eilig. Wir kommen noch in den Genuß eines unverhofften Gamedrives, ein Teilstück der Straße führt wieder durch den Namib NP und wir sehen Zebras, Springböcke und Oryx. Auf dem Weg liegt ein in unserer Karte als „einen Umweg wert“ gekennzeichnetes Schloß, das Duwisib Castle. 155-duwisib-castleHansheinrich von Wolf stammte aus einer sächsischen Adelsfamilie und kam mit der deutschen Schutztruppe nach Südwestafrika. Mit dem Geld seiner amerikanischen Frau Gemahlin (clever clever 😉 ) ließ er sich dieses Schloß bauen, wobei alles Material und auch alle Möbel aus Deutschland importiert wurde. Man muss sich mal den Aufwand vorstellen – damals gab es ja keine Flugzeuge und LKWs, das musste alles mit Ochsenkarren vom Hafen rübergekarrt werden… Naja, das hört sich ja alles interessant an. Wir entscheiden uns also, dieses Gemäuer zu besichtigen. Die verlangten 60 Namibia –Dollar (6 Euro) pro Person lassen uns kurz zögern, aber wie immer sagen wir „ jetzt sind wir schon mal hier…“ Dieses Mal hätten wir uns aber auf unsere knappe Reisekasse berufen sollen, denn das Schloss hat zwar 22 Zimmer, davon sind aber 17 entweder leer oder als Rumpelkammer bzw. Büro umfunktioniert worden. Somit dauert die Besichtigung knappe 15min dann haben wir alles gesehen. In diesem Falle ist also die Geschichte hinter dem Gebäude interessanter als das Gebäude selber!

So kommen wir heute schon um kurz nach 15 Uhr in Helmeringhausen, unserem heutigen Ziel an. Was gibt zu Helmeringhausen zu sagen? Nichts! Ein Hotel, ein Shop, eine Post, 3 Menschen haben wir gesehen. Wow. 158-das-wohl-haesslichste-huhn-der-weltWir übernachten auf einer Farm südlich dieses reizenden Örtchens zu einem wirklich guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier gibt es Schafe, Pfauen, Kühe, Ziegen, Enten, Hunde und das wohl lächerlichste Huhn der Welt. Und wer will kann im Wasserreservoir der Viehtränke baden gehen. Es wurde sogar eine kleine Liegefläche angelegt. Allerdings ist das Wasser saukalt.

Nach einer kalten Nacht (wir werden wohl nie im Leben wieder erkältet sein nach dieser Abhärtungskur hier) fahren wir weiter Richtung Küste. Zwischen Aus und Lüderitz gibt es eine Wildpferdherde, die im südlichsten Teil des Namib Naukluft Parks lebt. Die Herkunft dieser Tiere ist unbestimmt, man vermutet aber, dass sie Nachfahren der Pferde der deutschen Schutztruppen sind. Sie sind sehr gut an die Wüste angepasst, wie auch die Wüstenelefanten kleiner als ihre Verwandten und können mehrere Tage ohne Wasser auskommen. Es gibt ein Wasserloch, an dem man die Tiere beobachten kann. Wir haben Glück, an diesem Tag sind etwa 50-60 Pferde am Wasserloch zu finden. 163-krawallbruederWährend wir Mittagessen beobachten wir sie beim Schlamm- und Sandbaden, Kräftemessen und auch ein paar Oryxe (ist das die Mehrzahl von Oryx?) kommen vorbei . Das letzte Stück nach Lüderitz führt durch Diamantengebiet und man wird eindringlich gewarnt, die Straße nicht zu verlassen. Gar nicht so einfach bei dem Sturm. Jens muss einige Male stark gegenlenken so heftig weht der Wind. Der Wüstensand vernebelt die Luft und wir fühlen uns streckenweise schon an Ägypten und seine Wanderdünen erinnert. In Lüderitz kommen wir für heute mal wieder in einem Backpackers unter. Hier treffen wir auf ein Paar aus Passau, die schon seit 20 Jahren auf Tour sind…

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  1. Mama & Papa Altmeppen

    Hallo Kinder.
    Wir finden das Huhn nicht „lächerlich“. Das hat doch was, oder nicht?
    Heute ist Nikolaustag. Wir würden gerne „kurz“ den Nikolaus zu euch schicken, aber der ist nicht mutig genug für so eine lange und aufregende Reise. Bei uns ist Nikolaus und Weihnachten erst Anfang April 2012. Das passende Wetter (für Weihnachten) muss man sich sowieso auch jetzt dazu denken.
    Dann wird alles nachgeholt .
    Gute Weiterfahrt und bleibt gesund

  2. Huhu Ihr zwei,

    wird mal Zeit, dass ich auch mal einen Kommentar hinterlasse, wie? Also zu dem Sonnenbrand im Nacken beim Weihnachtsbaum bestaunen kann ich momentan nur sagen: „Besser, als wenn die Nackenhaare pitschenass werden!“ So dolle ist hier das Wetter nämlich auch grad nicht. Regen, Schneeregen, Regen, … Es müsste kälter sein, damit es richtig schneit. Und es wird gar nicht richtig hell am Tag…
    Aber nun ist gut mit dem Gejammer… sollte ja auch nur helfen, dass Ihr da in der Adventszeit kein Heimweh bekommt. (Der Glühwein schmeckt nämlich auch bei Regen ;-))

    Also ganz liebe Grüße aus Eurer Startstadt Hamburg!
    Ines, das Nachbarsmädchen 🙂

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