Allgemein Afrika Namibia

Namibias faszinierende Naturschauspiele

28.11.-03.12.2011

166-die-reiseprofisNeben den passauer “Reiseprofis“ treffen wir u.a. auch Willi aus Johannesburg (oder auch Jo-Burg, wie man hier unten sagt). Willi ist eigentlich aus Deutschland, lebte aber viele Jahre in Südafrika, hat die letzten Jahre in Ostafrika verbracht und ist jetzt gerade wieder nach Jo-Burg gezogen. Und bevor er wieder anfängt zu arbeiten, fährt er noch ein paar Monate mit seinem Motorrad durch die Gegend. Zur Sicherheit gibt er uns seine Telefonnummer, sollten wir in Johannesburg eine Unterkunft brauchen.

168-goerke-haus-in-luederitz

Wir schauen uns am nächsten Tag mal Lüderitz genauer an. Besonders groß ist es nicht und gestern am Sonntag haben wir beinahe keine Menschenseele auf den Straßen gesehen. Ähnlich wie in Swakopmund kann man hier die deutschen Einflüsse auch heute noch deutlich sehen. Das fängt bei den Straßennamen an und setzt sich bis zum “Männer-Turn-Verein“ fort. Es wirkt schon ein bisschen wie ein Museumsdorf. Und das Ganze vor der Kulisse des stürmischen Atlantiks auf der einen Seite gepaart mit dem endlosen Sandmeer der Namib auf der anderen ist irgendwie gewöhnungsbedürftig. In Lüderitz findet man quasi die Anfänge der deutschen Kolonialgeschichte. Ein Bremer Kaufmann namens Lüderitz (schau mal an…)hat hier ein Stück Land von einem Namahäuptling erworben, in der Hoffnung hier Kupfer zu finden. 169-museumsdorf-luederitzSchutz seines “Besitzes“ bat er den deutschen Kaiser um Unterstützung und die Schutztruppe marschierte ein in “Deutsch-Südwest-Afrika“ (mal in Kurzform zusammen gefasst). Herr Lüderitz war so damit beschäftigt Mineralien zu finden, dass er die unglaublichen Mengen an Diamanten zu seinen Füßen glatt übersehen hat. Und als die ersten Edelsteine eingesammelt wurden (die lagen nämlich einfach so im Wüstensand) hatte der gute Herr Lüderitz das Land schon längst wieder abgegeben.

Ein unglaubliches Relikt aus der Diamantenära befindet sich noch heute vor den Toren von Lüderitz. Kolmanskuppe ist eine alte Geisterstadt in der vor fast hundert Jahren die Diamantenschürfer wohnten. Und obwohl der kleine Ort mitten in der unwirtlichen Namib liegt, musste man hier auf nichts verzichten. Dank des Reichtums, den die Diamanten einbrachten, konnte man unter unglaublichem Aufwand ein ganz annehmliches Leben genießen. Es gab eine Einkaufstraße, eine Sport- und Veranstaltungshalle und sogar eine Kegelbahn. Und mitten in der Wüste wurde eine Eisfabrik erbaut in der man Trinkwasser zu Eisblöcken gefror, das mit dem Schiff aus Kapstadt nach Lüderitz importiert und von dort aus mit einer kleinen Eisenbahn nach Kolmanskuppe transportiert wurde. Jede Person hatte Anspruch auf 20 Liter Trinkwasser und jeder Haushalt auf einen halben Eisblock für den Eisschrank. Heute erobert sich die Wüste langsam aber sicher ihr Territorium wieder zurück. Und so wandern kleine Dünen durch die Zimmer der verlassenen Häuser und lassen die Geisterstadt so noch unwirklicher erscheinen.

Zwei Nächte bleiben wir im Backpackers in Lüderitz und ziehen dann um in eine kleine Bucht vor der Stadt. Günther hatte uns angeboten, dass wir uns in seinem kleinen Strandhäuschen einquartieren können (Danke dafür Herr Kapitän). Wir erkunden die Halbinsel im Süden von Lüderitz und statten den hier ansässigen Seelöwen und Pinguinen einen Besuch ab. Vor dem Hintergrund der Sanddünen der nahen Wüste sind die kleinen Herren im Frack ein leicht befremdlicher Anblick. Danach parken wir den Bulli dann direkt am Strand vor Günther’s Haus. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf das kleine Lüderitz auf der anderen Seite der Bucht.

186-der-hilft-mal-ner-duene-ueber-die-strasseNach drei Tagen Lüderitz hat man alles gesehen und so steuern wir den Bulli wieder durch die Wüste zurück ins Landesinnere. Zwar stürmt es heute nicht mehr so wie bei unserer Ankunft, aber die “Straßenmeisterei“ ist noch immer damit beschäftigt die Spuren des Sturms zu beseitigen. Ein großer Radlader schaufelt die Sanddünen von der Straße, die der Wind hierher geweht hat. Unser nächstes Ziel ist der Fischriver Canyon und da die Straßen bis dorthin fast ausschließlich asphaltiert sind machen wir heute mal wieder richtig Kilometer. Nur das letzte Stück von Seeheim bis zum Park ist dann wieder Schotter. Wir stoppen am Canyon Roadhouse, einem sehr schön gemachten Camp inklusive kleinem Automobilmuseum. Der Preis passt zwar überhaupt nicht zu unserem Budget, aber wir treffen hier Klaus und Ulla aus München, unterwegs in einem umgebauten Land Cruiser. Die zwei haben ihr Auto nach Walvis Bay verschiffen lassen und fahren nun ein paar Monate durchs südliche Afrika. Danach wird der Wagen auch wieder von Walvis Bay zurück nach Deutschland verschifft. Da das Datum der Verschiffung in etwa in unseren Zeitplan passt unterhalten wir uns über die Möglichkeit, uns einen Container zu teilen und tauschen unsere Nummern aus.

189-fish-river-canyonDer Fischriver Canyon liegt im so genannten Ai Ais National Park. An der Grenze zum Park finden wir einen Campingplatz, der schon eher zu unserer Reisekasse passt. Auch Klaus und Ulla schlagen hier ihre Zelte auf und bei Rotwein und Knabberzeugs tauschen wir unsere Reisegeschichten aus. Den Canyon besuchen wir dann tags darauf. Zwar ist er nicht so gewaltig wie der Grand Canyon, aber immerhin ist er der zweitgrößte der Welt und immer noch ein beeindruckender Anblick. Von mehreren Aussichtpunkten kann man in die tiefen Schluchten blicken, die der Fishriver hier in den Fels gegraben hat. Außerdem kann man in etwa 5 Tagen einen gut 80 Kilometer langen Wanderweg bezwingen. Allerdings nur während der kühleren Wintermonate. Die Hitze unten im Canyon würde einen sonst bei lebendigem Leibe gargrillen.

191-das-ist-ein-koecherbaumVom Canyonrand aus fahren wir in Richtung Ai Ais. Über eine Schotterpiste fährt man zu den etwa 600 Meter tiefer liegenden heißen Quellen. Hier findet sich auch das Ende des 5-tägigen Wanderweges durch den Canyon. Wir machen lediglich eine kurze Mittagspause und brechen auf nach Keetmanshoop. Eine Stadt von der wir bislang nichts Gutes gehört haben. Immer wieder wurde uns von Diebstählen und Überfällen erzählt. Wir lassen dieses heiße Pflaster zunächst links liegen und fahren zu einem der beiden Köcherbaumwälder. Der Köcherbaum heißt übrigens Köcherbaum, weil die San in den hohlen Ästen ihre vergifteten Pfeile transportiert haben. Durch so einen Lederköcher kann nämlich schnell mal eine Pfeilspitze durch piksen und das Gift macht keinen Unterschied zwischen Jäger und Gejagtem, das töten in jedem Fall….

Diese merkwürdig aussehenden Bäume stehen im Normalfall alleine in der trockenen Landschaft herum, aber hier in der Umgebung gibt es gleich mehrere “Wälder“. Das bedeutet aber nicht gleich dass man in ihrem Schatten spazieren gehen kann. Vielmehr stehen die an Trockenheit gewöhnten Pflanzen hier in Gesellschaft beieinander. Besonders am Abend bei tief stehender Sonne ein netter Anblick. Auf dem Campingplatz werden wir von Aubrey in Empfang genommen, der hier seit einem Monat arbeitet. In jeweils zweiwöchigen Schichten hütet er den Campingplatz und das Tag und Nacht. Und da nicht unbedingt jeden Tag Gäste kommen, werden seine Tage manchmal ziemlich lang. Aber immer noch besser als sein vorheriger Job, erzählt er. Da musste er nämlich für 500 N$ (50€) im Monat schuften. Wir laden Aubrey zum Essen ein und plaudern ein bisschen. Gerne wäre der 20-jährige junge Mann Anwalt geworden und hat auch die Schule dazu abgeschlossen. Aber da sein Vater im letzten Jahr verstarb und er der einzige Sohn ist, muss er nun als Familienversorger ran und kann somit leider nicht studieren gehen.

192-koecherbaumwald

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Aubrey, der heute schwer im Stress ist. Denn es ist eine 30-köpfige Studentengruppe von der Uni aufgeschlagen, die den Köcherbaumwald bestaunen will. Also ein eher kurzweiliger Tag für den jungen Platzwart.

Wir wagen uns hinein ins gefährliche Keetmanshoop, um dort unsere Vorräte aufzufüllen und uns schon mal mit Südafrikanischen Rand zu versorgen. Denn Grenzübertritt wollen wir in Mata Mata direkt in den Kalahari Transfrontierpark hinein absolvieren und da gibt es keine Bank. Das tauschen von Namibia Dollar in Rand ist dankenswerterweise kinderleicht, da der Rand in Namibia als offizielles Zahlungsmittel gilt und eins zu eins umgerechnet wird. Es fallen keine Gebühren an und man benötigt auch keinen Ausweis zum tauschen. Man reicht einfach 1000 Dollar über den Tresen und bekommt dafür 1000 Rand wieder zurück, völlig problemlos. Also eingekauft haben wir, Geld getauscht auch. Fehlt nur noch auftanken und schon kann‘s weiter gehen. Und siehe da, wir verlassen Keetmanshoop ohne dass uns ein Haar gekrümmt wurde 😉 . Wir kommen am “Giant’s Playground“ (Spielplatz der Riesen) vorbei. Einem großen Geröllfeld auf dem die Felsen sehr eigenartig übereinander gestapelt liegen. Da das unmöglich auf natürlich Weise passiert sein kann, geht man hier wohl davon aus, dass Riesen hier quasi mit ihren Bauklötzen gespielt haben, daher der Name. Kaum hat man das Geröllfeld passiert, ändert sich die Landschaft mal wieder innerhalb weniger Kilometer. Flach und weit liegen die Ebenen des östlichen Namibia vor uns. Und mitten durch führt eine schneeweiße Schotterpiste. Plötzlich kommt man dann an eine rote Sanddüne, die es mit dem Auto zu erklimmen gilt. Und schlagartig ist es mit dem flachen Land vorbei. Denn hinter der Düne liegt eine zweite und dahinter noch eine und noch eine und so weiter. Wir haben die roten Sanddünen der Kalahari erreicht. Angeblich der gleiche rote Sand, aus dem die Dünen der Namib um das Sossusvlei auch bestehen, nur eben dass diese sich am anderen Ende des Landes befinden. Die Dünen der Kalahari sind allerdings wesentlich niedriger und überwiegend mit Gräsern und Bäumen bewachsen. In fast perfekter Nord-Süd-Ausrichtung liegen sie genau im 90 Grad Winkel zur Schotterpiste, was bedeutet, dass es auf und ab und auf und ab geht. Wir werden schon beinahe seekrank, denn das Auf und Nieder zieht sich über fast 30 Kilometer. Kenner des Nürburgringes können sich an dieser Stelle einfach mal vorstellen sie müssten eine Runde auf der Nordschleife drehen, die nur aus Fuchsröhre besteht. Nichtkenner stellen sich vor, sie wären eine halbe Stunde in der Raupe auf der Kirmes angekettet (Würg). Kurz bevor wir blass um die Nase werden stoppen wir am “Terra Rouge“ Camp. Die Chefin hier erzählt uns, dass es bis zur Grenze und somit zum Kalahari Transfrontier Park nicht mehr weit sei. Und sie fragt uns, ob wir wüssten, dass wir mindestens zwei Nächte im Park verbringen müssten. Damit soll vermieden werden, dass eine Art Transitverkehr durch den Nationalpark entsteht. Nee, das wissen wir natürlich nicht. Und auch nicht dass die Grenze schon um 16:30 Uhr dicht macht. Also machen wir uns auf den Weg, um uns direkt vor Ort über die Modalitäten schlau zu machen. Als wir um kurz vor halb fünf am Schlagbaum des Zöllners auftauchen winkt der schon ganz hektisch, da er Feierabend machen möchte. Noch bevor er uns zu Wort kommen lässt, schreibt er unser Kennzeichen auf eine Liste und schickt uns zu seiner Kollegin rein, die unsere Pässe abstempelt. Danach diktiere ich dem Mann draußen unsere Motornummer aus dem Carnet, denn zum Abgleich mit der Motornummer am Auto bleibt scheinbar keine Zeit mehr. Eigentlich wollten wir uns ja nur schlau machen, wie denn so ein Grenzübertritt direkt in einen Nationalpark so funktioniert, aber keine zwei Minuten später sind aus Namibia ausgereist und hoppla schon in Südafrika angekommen, … oder etwa doch nicht?…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »