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Freitag der 13te

06.01. – Freitag, 13.01.2012

109-donovan-und-sein-handlangerNun sitzen wir hier doch schon wieder 1 ½ Wochen rum und haben immer noch keine konkreten Aussagen zum Zustand unseres Zylinderkopfes erhalten. Erschwerend kam nämlich die Verlängerung der hiesigen Sommerferien dazwischen. Das hieß für uns, dass alle Firmen hier im Umkreis bis einschließlich Dienstag dieser Woche geschlossen hatten und wir keine Hilfe bekommen konnten. An alle Chefs in Deutschland – das wollen wir auch mal einführen! Wir haben uns also entschieden, uns einen Mietwagen zu besorgen. Für nur 21 Euro am Tag gab es eine Kleinwagen von Kia mit unbegrenzten Kilometern und Versicherungen ohne Selbstbehalt (warum haben wir uns eigentlich unseren eigenen Wagen mitgebracht???). Da das Abwarten und rumphilosophieren uns langsam mürbe macht, fahren wir mit unserem neuen Autochen in den Nationalpark. Und plötzlich hat man das Gefühl, man sei winzig klein. Über neun Monate saßen wir in unserem Syncro und konnten die Tiere „von oben“ beobachten bzw. war mit den Elefanten Auge in Auge. Wir hatten Federn, die so lang sind wie jetzt der Durchmesser eines Rades. Das heißt wir hopsen jetzt jeden Kieselstein merkend Auge in Auge mit Schildkröten durch den Busch! Juhu, wir freuen uns schon auf die ersten Elefantenbeine 🙂

Da es morgens aber ziemlich schlechtes Wetter ist, sehen wir erstmal fast gar nix. Alle Tiere haben sich im dichten Buschwerk versteckt und sind nicht mehr auszumachen. 115-kackkaefer-bei-der-arbeitNur die Dung Beetles, ins Deutsche übersetzt Kackkäfer, sind fleißig bei der Arbeit. Sie rollen fröhlich die wohlgeformten Elefantenmistkugeln von einer Straßenseite auf die andere. Erst als die ersten Sonnenstrahlen die Wolkendecke zerreißen, haben wir mehr Glück. Wir sehen zwei ziemlich große Hyänen, die sich witternd auf den Weg in die Berge machen. Die große Zebra-, Kuhantilopen- und Kuduherde auf der anderen Straßenseite ist sichtbar erleichtert, dass sich diese Riesenungeheuer aus dem Staub machen. Auf einmal kommen wir auf eine Kreuzung zu, an der sich etwa 10 andere Autos in wilder Formation gereiht haben. Das spricht für eine spektakuläre Sichtung! Endlich der erste Löwe? Hm, erstmal müssen wir einen Platz finden, um ausmachen zu können in welche Richtung die Leute alle starren. Das geht ganz gut, denn wir haben ja ein Miniauto. Aber dann wird’s schwierig, denn aus Schildkrötenperspektive lässt sich 1m hohes Gras nicht so leicht durchforsten. Aber zum Glück passiert das unglaubliche – die Sichtung hebt ein Bein! Aaahhha – es handelt sich wirklich um einen Löwen oder was wir eigentlich nur sagen können, es handelt sich um eine Löwenpfote! Ich unke schon, dass der Addo Parkbesitzer einen Angestellten ins Gras gelegt hat mit einer Pfotenattrappe, die er ab und zu mal in die Luft halten soll, als das Tierchen touristengerecht auch noch für zwei Sekunden den Kopf hebt. Es scheint hier also wirklich Löwen zu geben. Wir vermissen an dieser Stelle erstmals unseren Syncro, den wir in den letzten Tagen gedanklich insgeheim schon auf jede erdenkliche Weise verschrottet haben. Aus der Busperspektive hätten wir bestimmt mehr gesehen. So entschließen wir uns weiterzufahren, denn da hatten wir nun wirklich schon wesentlich spannendere Löwenbegegnungen. 114-unser-erster-karakalUnd diese Entscheidung soll belohnt werden, denn wir entdecken im Vorbeifahren eine Katze, die wir auf unserer Reise noch gar nicht gesehen heben. Zwischen den Büschen liegt ein Karakal oder auch Rotkatze (Rooicat) genannt. Mit ihren langen Hinterbeinen und den Büscheln am Ohr sieht sie etwas aus wie eine Mischung aus Katze, Hase und Pinselohrschwein. Einen Karakal zu sehen ist eher selten und so freuen wir uns, dass wir nicht weiter dem Löwenpfotenschauspiel verfallen sind.

113-noch-n-schweinAuf dem Weg zurück zum Eingangstor passiert noch etwas Spannendes. Wie schon erwähnt, befinden wir uns augentechnisch auf Elefantenkniehöhe. Bei dem Elefanten, den wir jetzt zu sehen bekommen sollen, wird uns diese Perspektive aber noch einmal erschreckend deutlich vor Augen geführt… Wir passieren eine „No Entry“ Stichstraße als ich aus den Augenwinkeln sehe, wie ein relativ großer einzelner Elefantenbulle schräg hinter uns aus dem Busch pirscht. Bei nochmaligem Hinsehen erkenne ich, dass es sich nicht nur um einen „relativ großen“ Bullen handelt, sondern um ein Riesenmonster von Elefant – nahezu Mammutausmaße! Oh mann, das ist nicht witzig, denn er scheint sich einen Spaß daraus zu machen, die Touris zu ärgern. Immer wenn man anhält, beschleunigt er seine Schritte und wenn man dann Gas gibt damit er einen nicht auffrißt, dann trödelt er  wieder rum. Er hat etwas um den Hals hängen was aussieht wie ein abgerissenes Seil, vielleicht ist er aus diesem Grund nicht so wirklich entspannt. Wir nennen in „Grumpy“, das heißt mürrisch auf Englisch. Bei diesem Spielchen stellen wir etwas Interessantes fest. Auf den Rückspiegeln unserer Autos steht ja manchmal: „Objekte im Rückspiegel sind näher als sie erscheinen“. Bei diesem possierlichen Tierchen wird uns dieser Satz erst so richtig bewusst. Schaue ich in meinen Seitenspiegel, dann sehe ich den Elefanten in normalen Ausmaßen. Schaue ich mir allerdings über die Schulter, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Wir haben mal ein Foto gemacht von einem anderen Auto, das ebenfalls an Grumpy vorbeimusste. Sie fahren das gleiche Auto wie wir. Anhand des Fotos sieht man, von was für Größenverhältnissen wir sprechen…

Aber alles ist gutgegangen, er wollte wohl nur spielen 😉

116-grumpy

Ein paar Minuten später, es ist kurz vor Feierabend, müssen wir wieder anhalten, denn eine ganze Gruppe Elefanten möchte gerne den gleichen Weg benutzen wie wir. Wir machen freiwillig Platz, stellen den Motor aus und verhalten uns ruhig. Es sind etwa 12-15 Tiere jeder Altersklasse. Sie sind aber sehr brav und schreiten völlig entspannt an uns vorbei. Ich filme das alles, die Tiere sind so nah an uns dran, dass ich keinen Zoom benötige und Jens auch wieder schöne Elefantenaugenfotos machen kann ohne das Objektiv ausfahren zu müssen. Tolle Erfahrung!

Am nächsten Tag sind wir nur einen halben Tag im Park (wir sehen wieder ein neues Tier: einen HASEN!), denn heute fängt die Firma, die unseren Zylinderkopf untersuchen wird, wieder an zu arbeiten. 108-hobbywerkstatt-orange-elephantLeider kriegen wir bis abends keine Informationen, so dass wir am nächsten Tag selber zur Firma fahren. Die erste Einschätzung besagt schon nix Gutes. Der Chef persönlich bringt uns die Nachricht, dass der Kopf verzogen zu sein scheint und das bedeutet entweder große Nacharbeiten oder aber einen neuen Zylinderkopf (schon wieder einen 🙁 ). Er will aber noch weitere Tests machen und sich wieder melden. Wir tauschen also unser Mietauto gegen ein neues, da wir wohl doch noch länger hier festsitzen werden. Diesmal gibt’s einen Chevi Spark (und da wir Stammkunden sind –kostenlos mit Klimaanlage!). Supi, aber wir müssen aufs Geld achten und können uns keinen Polo leisten.

Der nächste Tag soll dann endlich eine Entscheidung bringen, leider handelt es sich heute um Freitag den 13. Und wie nicht anders zu erwarten lautet die Diagnose: Zylinderkopf total verzogen und noch ein paar schlimme Sachen mehr, die aufzulisten sich nicht lohnt. Unterm Strich kann man jedoch sagen: Da ist nix mehr zu machen, eine Nacharbeit kostet etwa so viel wie ein Austauschmotor und es ist nicht einmal sicher gestellt, dass unser Motor dann überhaupt wieder laufen würde. Ach ja, ich vergaß, dass wir auch noch mitgeteilt bekommen haben, dass unser Kühler ebenfalls verstopft ist (was wohl der Grund für die Überhitzung war) und nicht mit Druckluft saubergepustet werden kann, da er aus Altersschwäche explodieren würde!

118-einmal-abschleppen-bitteAm Ende dieses großartigen Tages sind wir bei Option Nr. 3 von letzter Woche, wir werden das Auto mit nem LKW ins 1300km entfernte Pretoria zum Syncro Hospital bringen lassen und ihn dort einer Grundüberholung unterziehen. Das wird wohl oder übel das Beste sein. Vielleicht treffen wir da auch den Schlumpf wieder – Kathi und Ferdi, die mit dem blauen Syncro vom Strand in Mombasa. Die sind nämlich auch grade im Hospital zu Gast…

  1. Hallo zusammen,

    nach langer Zeit melde ich mich mal wieder. Ich habe regelmäßig Eure Berichte gelesen und immer mehr Lust auf Afrika bekommen. Wirklich eine tolle Reise mit außergewöhnlichen Erlebnissen, incl. der weniger erfreulichen mit Eurem Auto. Da bin ich mit meinem 208D ja noch glimpfllich davon gekommen. Eine defekte Lichtmaschine und ein gerissener Keilriemen ist gegen Eure Abenteuer ja wirklich gar nichts. Ich hoffe, dass Ihr bald wieder klar seid und Eure Tour fortsetzen könnt.

    Alles Gute und viel Glück,

    Günter

    PS. Zur Erinnerung, wir haben uns in Nuweiba getroffen, vor langer, langer Zeit 😉

  2. Mama & Papa Altmeppen

    Hallo meine zwei Helden
    Nicht verzagen. Alles ist ersetzbar, außer eure Gesundheit. Und damit das so bleibt, immer positiv denken. Ihr habt so unglaublich viel geschafft und auch der Syncro war doch im Großen und Ganzen treu wie Gold. Die letzten Wochen schafft ihr auch in einem kleinen Auto. Auch kleine Tiere sind schön. Die Riesendinger umfahrt ihr einfach.
    Viel Glück weiterhin

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