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Und dann kam der Regen…

14.01.-24.01.2012

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Am Samstagmittag taucht Kevin mit seinem alten Abschlepp LKW im Orange Elephant auf, um unseren Bulli huckepack nach Uitenhage zu bringen, von wo er dann mit einem großen Transporter nach Pretoria gebracht wird. Und wie sollte es anders sein, der Abschlepp LKW selber läuft mit einem Plattfußauf dem Campingplatz ein, das passt ins Bild. Unser Bulli wird verladen, der Reifen wird gewechselt und wir fahren mit Kevin zur nächsten Bank, um den Transport zu bezahlen. Stuart, unser Mechaniker in Pretoria, hatte uns geraten, der Transportfirma zu sagen, dass wir bar zahlen und keine Rechnung brauchen. Und siehe da, fast 100 € gespart. Unser Mietauto haben wir bis Montag gemietet, da wir ja optimistischer Weise gehofft hatten, dass der Syncro am Sonntag wieder laufen würde. Also bleiben wir noch zwei Tage in Addo und schlagen dieZeit im Nationalpark tot. Es müsste unser siebter oder sogar achter Tag im Park sein und endlich haben wir unsere erste wirkliche Löwenbegegnung.

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Wir sehen zunächst zwei Männchen an einem Hang unter einem schattenspendenden Baum liegen, dann ein totes Kudu unter einem Busch direkt neben der Schotterpiste und schließlich ein Löwenweibchen nicht weit entfernt davon unter ein paar
Sträuchern. Eines der Löwenmännchen hat eine wesentlich kleinere Mähne als das andere. Daraus schließen wir einfach, es handelt sich um Vater, Mutter und Sohn. Letzterer scheint uns allerdings bereits in einem Alter zu sein, in dem andere schon längst bei Muttern ausgezogen sind.

Die Jagd scheint noch gar nicht allzu lange her zu sein, denn die Raubkatzen scheinen alle drei nach Luft ringend neue Kraft zu schöpfen, um das bemitleidenswerte Kudu zu verschlingen. Da das durchaus noch ein wenig dauern kann, beschließen wir etwas später noch einmal vorbei zu schauen. Als wir dann etwa eine Stunde später wieder am Ort des Geschehens sind, stehen alle drei Katzen am Busch unter dem die Beute liegt. Papa Löwe darf natürlich zuerst fressen, gefolgt von Mama. Der Sohnemann ist als letzter dran und vertreibt sich die Wartezeit damit erst ein Warzenschwein durch die Gegend zu hetzen und danach Fliegen zu jagen. Dabei spaziert er direkt an unserem Auto vorbei und wir kurbeln mal vorsichtshalber die Fenster hoch. Endlich haben wir also unsere Löwen im Addo Elephant Park gefunden.

Zurück auf dem Campingplatz machen wir uns dann daran nach einem bezahlbaren Mietauto zu suchen, mit dem wir von Port Elizabeth nach Pretoria fahren können. Am nächsten Freitag soll unser Bulli dort eintreffen und wir wären dann gerne schon vor Ort, um ihn in Empfang zu nehmen. Allerdings bekommen wir am Abend vor unserer Abreise eine Email, in der uns mitgeteilt wird, dass unser gebuchtes Mietauto leider nicht zur Verfügung gestellt werden kann (wundert es noch jemanden?). Also buchen wir spät abends erneut, diesmal über den ADAC. Am Morgen, an dem wir dann eigentlich die Mietautos tauschen wollen erneut die Nachricht, dass die Buchung storniert wurde. Telefonieren mit dem ADAC und der Bank lösen zwar das Problem, kosten uns aber mal wieder Zeit und Nerven. Etwas spät dran bringen wir unser derzeitiges Mietauto zurück und nehmen das neue in Empfang, mit dem wir die Reise nach Pretoria nun in Angriff
nehmen können. Vorher verabschieden wir uns allerdings noch von John und dem
Team des Orange Elephant Backpackers, die uns geholfen haben, wo sie nur konnten. Zwei Wochen haben wir hier verbracht und John stellt uns nicht einmal die Hälfte davon in Rechnung….

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Unser erster Zwischenstopp ist Hogsback (Schweinerücken). Hier soll ein gewisser J.R.R. Tolkien seine Zeit damit verbracht haben, sich für seine “Herr der Ringe“ Saga inspirieren zu lassen. Und tatsächlich fühlt man sich hier ein wenig wie im Märchenwald. Es gibt ein 15 Meter hohes Baumhaus und man kann sogar in einer Freiluftbadewanne den Ausblick ins Tal genießen. Von hier aus fahren wir am nächsten Tag weiter am nördlichen Rand Lesothos entlang und erreichen nach zwei Tagen die Drakensberge. Eigentlich wollten wir die noch ausgiebiger mit unserem Bulli bereisen, aber erstens läuft uns die Zeit davon und zweitens werden wir, sollte der Syncro jemals wieder laufen, versuchen so kräfteschonend wir möglich nach Durban zu gelangen. Und Afrikas höchstgelegenstes Land passt da leider nicht in den Plan. Aber wo wir jetzt schon mal da sind, machen wir wenigstens eine kleine Wandertour (eine klitzekleine). 132-drakensbergeDie Landschaft ist wirklich atemberaubend. Vor uns erheben sich die Berge, in denen sich unweit von hier das Königreich Lesotho befindet, das sich selber “Kingdom in the Sky“ nennt. Aber die Felsen sind nur selten kahl und grau. Fast überall wuchern die Berge in saftigem und dunklem Grün. Und überall sprudeln kleine Bäche durch die Landschaft. Hier können wir wieder ein bisschen Kraft tanken, bevor es morgen weiter nach Pretoria geht, wo dann wieder unser anfälliges drittes Teammitglied im Mittelpunkt steht.

Schon auf der Fahrt nach Pretoria bekommen wir einen Anruf vom Transportunternehmen, dass unser Auto einen Tag früher als geplant am Ziel eintreffen wird. Das heißt auch wir müssen uns sputen, um vor dem LKW bei Stuart und seinem “Syncro Hospital“ einzutreffen. Vorher checken wir noch schnell in der Twana  Lodge, einem Backpackers, ein und düsen weiter zu unserem Mechaniker. Als wir ankommen ist der Abladevorgang des Syncro gerade beendet. Stuart begrüßt uns freundlich und wir verabreden uns für morgen früh, um dann die Einzelheiten der Reparatur besprechen.

134-das-syncro-hospitalWie vereinbart stehen wir um 10 Uhr beim Syncro Hospital auf der Matte und werfen zusammen mit Stuart einen Blick auf das Malheur. Zwei Optionen hatte uns der Mechaniker angeboten. Erstens nur den Zylinderkopf zu tauschen, zweitens den ganzen Motor auszuwechseln. Zylinderkopf und Motor sind beide in seinem Fundus vorhanden und am Telefon hatten wir den Eindruck, beides würde zum Einbau bereit liegen. Beim Blick auf den Zylinderkopf stellen wir allerdings fest, dass auch dieser Risse zwischen den Ventilen hat, wie auch schon die meisten der Köpfe damals in Nairobi. Und auch der Komplettmotor müsste erst auf Funktion geprüft werden. Wie Bitte? Warum hat er das nicht vorher gesagt? Dann hätten wir uns den Transport des Autos nach Pretoria für 350 € nochmal genauer überlegt. Uns fehlen ein wenig die Worte und auch unser Optimismus und unsere Motivation bekommen langsam aber sicher immer tiefere
Risse. Wir haben gerade so richtig schön lange Gesichter, da treffen Ferdi und Kathi mit ihrem blauen Syncro bei Stuart ein. Wir plaudern ein wenig und finden heraus, dass auch sie es nicht immer leicht hatten. Zwar hat das Auto weniger Zicken gemacht, dafür hatten sie aber viel Ärger wegen ihres Hundes an den Grenzübergängen. Die Krönung war anscheinend, dass die Südafrikanischen Behörden das Tier bei der Einreise kurzer Hand erschießen wollten. Vielleicht können wir die Beiden ja mal zu einem kurzen Gastbeitrag motivieren….

Da wir bei Stuart im Moment eh nicht viel ausrichten können, beschließen wir übers Wochenende nach Pilanesberg zu fahren. Hier gibt es einen Tierpark, dessen Besuch lohnenswert zu sein scheint. Zwar ist er nicht in unserer Wildcard enthalten, aber da die Hauptsaison schon wieder vorbei ist, ist der Eintritt nicht allzu hoch. Wir mieten uns für drei Nächte auf dem Campingplatz ein und erkunden in den kommenden Tagen den wirklich sehr schönen Park. Die meisten Spezies wurden aus anderen Parks hierher gebracht und haben sich über die vergangenen Jahrzehnte so gut entwickelt, dass man heute viel Wild vor die Linse bekommt. 146-das-ist-unsere-strasseVor allem die vielen Nashörner erstaunen uns. An einem Tag zählen wir mindestens 15 Breitmaulnashörner und am Tag darauf sogar noch mehr und sogar ein Spitzmaulnashorn finden wir auf unserer Pirschfahrt. Und wir treffen auf einen weißen VW Bus, der mitten in einer engen Passage im Busch steht. Vorne am Bulli befindet sich ein Abschleppseil und an dessen anderem Ende ein Land Rover Defender. Der VW riecht deutlich nach Kühlmittel. Alle Beteiligten sprechen Deutsch und scheinbar haben auch sie einen Motorschaden erlitten. Merkwürdiger Weise überrascht uns die Geschichte nicht im Geringsten, sie kommt uns nur merkwürdig bekannt vor.

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So haben wir also schon einige interessante Begegnungen in Pilanesberg zur verbuchen. Nur die Raubtiere scheinen sich vor uns zu verstecken. Und tatsächlich ist dieser Park der Erste auf unserer Reise, in dem es zwar Raubtiere gibt, wir sie aber nicht zu Gesicht bekommen. Wir wollen gerade an unserem letzten Besuchstag den Park verlassen, da fallen uns mehrere Safariautos auf, die dicht gedrängt zusammen stehen. Das ist eigentlich immer ein klares Indiz dafür, dass ein Löwe oder ein anderes seltenes Tier aufgespürt wurde. Aber just in diesem Moment öffnet der Himmel derart seine Schleusen, dass man schon einen halben Meter vom Auto entfernt nicht mehr wirklich viel erkennen kann. Wir versuchen zwar noch etwas unter einem Busch auszumachen, aber wirklich sicher, ob wir dort einen Löwen oder nur einen nassen Baumstumpf
erblicken, können wir uns nicht sein. Im Addo haben wir dieses Spielchen immer “Stein oder Schwein?“ genannt. Denn auf große Entfernung musste man immer auf eine Bewegung warten, um bestimmen zu können, ob man dort nun ein Warzenschwein oder nur einen Felsen  vor sich hat. Und nun in diesem Regen bewegt sich dort unter dem Gebüsch natürlich gar nichts mehr. Wer einen Unterschlupf gefunden hat verharrt dort, bis sich das Unwetter wieder gelegt hat. Und auch wir beschließen unter diesen Umständen mal lieber auf dem Campingplatz nach dem Rechten zu sehen. Und natürlich tobt das Gewitter auch hier. 152-junggesellenabschiedWie es sich für ein afrikanisches Unwetter gehört, kommen die Wassermassen sintflutartig vom Himmel geprasselt, so dass auf dem Campingplatz schon ein ansehnlicher See entstanden ist, der sich langsam unserem Zelt nähert. Als wir dort ankommen ist es bereits stockdunkel. Und im Scheinwerferlicht unseres Mietautos sehen wir, dass das Zelt ziemlich schief steht. Die Wassermassen auf dem Vorzelt haben eine Seite nach unten gedrückt und die andere hinter sich her gezogen. Da nun dadurch das Außenzelt mit dem Innenzelt Kontakt bekommen hat, dringt selbstverständlich Regenwasser ins Innere (hört das denn nie auf?). Also versuchen wir in finsterer Nacht mit einem Metallregenschirm in der Hand unser Hab und Gut aus dem absaufenden Zelt zu bergen, während neben uns die Blitze vom Himmel zucken. Nachdem wir das widererwarten überlebt haben, beschließen wir uns ins trockene Restaurant des Campingplatzes zu flüchten. Woanders können wir eh grad nicht hin. Während wir uns ein paar Burger genehmigen nimmt draußen der Regen allmählich ab. Es muss so gegen 23 Uhr sein, als sich die Lage soweit entspannt hat, dass wir unser Zelt einigermaßen Trocken legen können, um doch noch ein bisschen Schlaf zu bekommen. Leicht zerknirscht treten wir am nächsten Morgen die Rückreise nach Pretoria an und passieren dabei ein Hotel namens Huppelepup ein Verkehrsschild mit der Aufschrift “Highjacking Hotspot“. Hier bekommt man also erst eine Waffe vor die Nase gehalten und dann das Auto abgenommen. Wundern würd es uns derzeit nicht besonders. Wir haben bereits überlegt, ob es bei unserer derzeitigen Negativserie ratsam ist, tatsächlich demnächst ein Flugzeug zu besteigen…

Am frühen Montagnachmittag kommen wir wieder bei Stuart im Syncro Hospital an. Der hat bereits mit der Operation Motorreparatur begonnen, dabei haben wir uns für die kostengünstigere Variante entschieden, die uns zumindest bis nach Durban und das Auto bis in den Container bringen soll. Es bleibt also noch ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass wir das Auto irgendwann mal wieder zum Laufen bekommen. Für heute Nacht kommen wir erst mal wieder in der Twana Lodge unter. Selbstredend gibt es auch wieder in dieser Nacht ein Gewitter. Aber dankenswerter Weise müssen wir es diesmal nicht alleine überstehen, denn der Schäferhund des Betreibers schleicht sich unter das Außenzelt und legt sich so auf das Innenzelt, dass mal wieder ein bisschen Wasser hinein kommt. Außerdem zittert der Hund dermaßen vor Angst, dass er damit unsere Isomatten zum Vibrieren bringt. Dazu riecht er auch noch, wie nasse Hunde eben so riechen. Trotzdem bringen wir es nicht übers Herz das arme Tier hinaus in die Dunkelheit und in das Unwetter zu jagen. An Schlaf ist also auch heute Nacht nicht zu denken. Gott sei Dank war es allerdings nur der Schäferhund und nicht die 70 Kilo schwere Deutsche Dogge, die sich auf unser Zelt gelegt hat. Es könnte also schlimmer sein…oder?

  1. Hey, endlich kenn ich auch mal was.
    Im Pilanesberg Game Reserve war ich auch schon mal, aber nicht auf dem Campingplatz, sondern in der Lodge.
    War ja auch ne Dientreise. Ich drück die Daumen, das der T3 irgenwann mal wieder aus eigener Kraft sich bewegt.
    Gruß

    JR

  2. Andreas Mo

    Hallo Weltreisende, in Hamburg haben wir zur Zeit richtigen Winter.
    Morgens waren es heute so -8°C, gefühlt eher wie -15°C. Da wäre ich lieber in Afrika auf Safari.
    Beste Genesungswünsche für den Bulli.
    Grüße. Andreas

  3. Moin moin aus dem Norden!
    Sehe ich das richtig, dass der Abschlepp-Heini vom ersten Bild eures Berichts erst Euren Syncro aufgeladen hat und dann den Reifen gewechselt hat?? 🙂

  4. Thomas Herrmann

    Hallo ihr Zwei!

    Habe mal wieder seit langem eure Seite durchforstet. Der Bulli scheint ja ein wahrer Glücksfall zu sein :-). Tja Jens, da läuft mein „Eisenschwein“ dagegen wie am Schnürchen.

    Dann lasst euch nicht unterkriegen und viel Spaß noch.

    Sagt mal, wird das ewige Reisen irgendwann nicht mal auch langweilig? Sehnt ihr euch nicht ab und zu nach Osnabrück / Deutschland?

    Gruß

    Thomas

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