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Big trouble in little Swasiland

06.02.-13.02.2012

Wir steuern den Blyde River Canyon über Hoedspruit an und müssen dazu erst mal recht steil in die Berge hinauf. Nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fish River Canyon in Namibia ist das Tal, das der Blyde River in die hiesigen Berge gegraben hat der drittgrößte Canyon auf unserem Planeten und laut eines lokalen Werbeslogans der einzig grüne. Er liegt an der so genannten Panoramaroute, die sich unweit des Krüger Nationalparks durch die südafrikanische Landschaft schlängelt. 179-die-drei-rundhuetten-im-blyde-river-canyonEntlang des Flusses gibt u.a. Sehenswürdigkeiten wie “die drei Rundhütten“ und “Gottes Fenster“. An der Erstgenannten machen wir einen Zwischenstopp und gönnen uns einen Blick hinunter ins Tal und auf den Stausee, aus dem die umliegenden Ortschaften mit Wasser versorgt werden. Die Aussicht kann sich sehen lassen und am aufgestauten Wasser sind immer noch deutlich die Spuren der letzten Überschwemmung sichtbar. Statt auf klares Wasser kann man von oben aus auf einen milchig-braunen See blicken.

Viele der Sehenswürdigkeiten entlang des Canyons kosten mittlerweile Eintritt, oder befinden sich inzwischen auf dem Grundstück von irgendwelchen Luxushotels, die sich die Besichtigung natürlich auch bezahlen lassen. Also klappern wir nicht jede Einzelne ab, sondern versuchen vielmehr die Strecke zu genießen. 180-blyde-river-canyon

Am höchstgelegenen Aussichtspunkt, “Gottes Fenster“ ist leider so dichter Nebel, dass es uns verwehrt bleibt durch die fensterartige Felsformation ins Tal zu blicken. Wir machen statt dessen einen Zwischenstopp in Graskop und schauen dort einer Gruppe Touris zu, wie aus ihrem großen Reisebus zuerst die Wechselstube stürmen und dann die Stände der lokalen Holzschnitzer leer kaufen. Weiße Socken in Sandalen, hochgekrempelte Hosen und Brustbeutel oder wahlweise Kamera vor dem Bauch, scheinen deutsch zu sein….

Von Graskop aus geht es wieder hinab ins Tal und auf dieser Strecke hat die Panoramaroute dann leider nicht mehr so viel zu bieten. Man fährt entlang großer forstwirtschaftlich genutzter Flächen auf den schnellwachsender Eukalyptus angebaut wird. Kilometerweise kann man auf abgeholzten, nackten braunen Lehmboden sehen. Unten angekommen kehren wir erneut in Hazyview ein, diesmal ins “Bushpackers“ einem sehr interessanten Backpacker. Wer will kann hier draußen in einem Bambuswäldchen duschen, sollte sich dann aber nicht wundern, wenn er hinterher von Mücken zerstochen ist. Von Hazyview aus steuern wir am nächsten Morgen dann wieder den Krüger Park an, durch den wir uns Richtung Süden nach Swasiland vorarbeiten wollen. Wir sind noch gar nicht solange im Park, da erblicken wir so etwa 100 Meter von der Straße entfernt einen Leoparden im Baum. 182-leopardenmaennchenDie Koordinaten geben wir gleich per SMS an Lilly und Steffen weiter, die auch noch im Krüger unterwegs sind.  Die Raubkatze studieren wir natürlich so lange, bis sie vom Baum herunter klettert und im Gebüsch verschwindet. Und kaum sind wir zwei, drei Kilometer weiter gefahren, liegt auch schon der nächste Leopard im Baum, diesmal ein Weibchen. Scheint unser Glückstag zu sein. Kaum ist die Dame vom Baum herunter und in der Hecke verschwunden, biegen Lilly und Steffen um die Ecke, nur leider eben ein Minütchen zu spät. Trotzdem wollen die beiden an der Stelle Ausschau halten und wir verabreden uns für abends im Camp. Beim Grillen erzählen uns die zwei, dass sich ihre Geduld dann doch noch bezahlt gemacht hat und der Leopard sogar unmittelbar vor ihnen die Straße überquert hat.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns dann wohl endgültig, denn da die zwei aus Villingen Schwenningen demnächst nach Mosambik möchten, werden sich unsere Wege wohl nicht mehr kreuzen. Alles Gute und viel Glück auf dem Weg nach Norden.

Wir sind kaum aufgebrochen zur morgendlichen Pirschfahrt durch den Park, da haben wir auch schon unsere erste Löwensichtung. Ein stattlicher Löwenmann mit seiner Dame, die sich aber alsbald weiter in die Büsche zurückziehen, um dort zu tun, wofür man eben gerne seine Privatsphäre haben möchte.

In den nächsten Tagen arbeiten wir uns im Zick-Zack-Kurs durch den südlichen Teil des Parks über die Camps “Berg und Tal“ und “Lower Sabie“ bis zum Ausgang an der “Crocodile Bridge“ vor und treffen noch viele Elefanten (auch beim Liebesspiel), 187-liebesspiel-der-dickhaeuterHyänen, Flusspferde, Büffel und Nashörner, aber leider keine Wildhunde. Trotzdem hält der Krüger an unserem letzten vollen Tag im Park noch einen ganz besonderen Leckerbissen für uns bereit. Wiedermal ist es Janina, die etwas im hohen Gras entdeckt und ihrem Piloten das Kommando zum Anhalten gibt. Irgendwo hatte doch gerade ein Löwe seinen Kopf heraus gestreckt? Und tatsächlich schleichen zwei Löwenweibchen durch die langen Grashalme und pirschen sich an eine Gruppe Kudus, die unter einem Baum stehen heran. Das könnte spannend werden. Obwohl es schon beinahe Mittag und somit recht heiß ist, sind die beiden Katzen auf der Jagd. Allerdings scheinen die Kudus irgendetwas gemerkt zu haben. Denn nervös blicken sie in die Richtung der sich anschleichenden Räuber. Der Wind scheint allerdings auf Seiten der Löwen zu sein, denn er weht von den Kudus herüber in ihre Richtung, so dass die vermeintliche Beute sie nicht riechen kann. Minutenlang dauert das Anpirschen und wir rechnen jederzeit mit einem Sprint einer der beiden Löwinnen. Doch kurz vor dem Ziel werden die beiden entdeckt und die Kudus preschen in die entgegengesetzte Richtung davon. Fürs erste ist die Jagd vorüber. Da die Temperaturen schon beinahe die 40 Grad Marke erreicht haben, rechnen wir nicht mit weiteren Jagdversuchen der Löwen und fahren ins nahe gelegene “Crocodile Bridge“ Camp, um dort Pause zu machen. Erst am Nachmittag kehren wir an die Stelle, an der wir die Löwen jagen gesehen haben, zurück und haben erneut Glück. Unweit der Straße laufen die beiden wieder durchs Gras. Wir positionieren uns gerade passend, um sie erneut zu beobachten, da macht es den Anschein, als würden sie sich wieder an etwas anschleichen. 190-die-jaegerinWir können die Beute nur leider noch nicht erkennen. Erst mit Hilfe der Ferngläser sehen unweit der Löwen zwei Warzen-schweine. Die Raubkatzen scheinen wirklich Hunger zu haben, denn die wehrhaften Schweine sind mit ihren langen messerscharfen Hauern ernst zu nehmende Gegner und können selbst Löwen böse verletzten. Die erste Löwendame pirscht sich an, während die zweite etwas zurück bleibt. Die vordere der beiden ist schon ganz nah an ihrer Beute und wir haben den Finger am Auslöser der Kamera, als eines der Warzenschweine laut quiekend wie ein geölter Blitz durch Gras schießt, dicht gefolgt von der ersten Löwin. Eine kurze Verfolgungsjagd und dann gibt die Löwin auf. Trotz der kurzen Beine ist das Schwein zu schnell für sie. Allerdings hat die Hatz auf die Warzensau die beiden Katzen in Richtung der nächsten potenziellen Mahlzeit gebracht. An einem Wasserloch stehen mehrere Zebras und Gnus herum. Es sind auch einige Jungtiere dabei und eines der Gnus liegt faul im Schlamm herum. Da sollte doch etwas für unsere beiden fleißigen Jäger dabei sein. Während sie wieder mit ihrer Heranpirschtaktik beginnen, suchen wir uns wieder eine geeignete Beobachtungsposition. Die Löwinnen teilen sich wieder auf. Eine pirscht vor, die andere lässt sich etwas zurück fallen. Diesmal dauert das Heranschleichen ziemlich lange. 192-kurze-lagebesprechungDie erste der Beiden liegt eigentlich schon sehr günstig unter einem Busch im Schatten, keine 20 Meter von dem Gnu im Schlamm entfernt. Wir wundern uns schon, warum kein Angriff erfolgt, da bekommen wir unsere Antwort in Form eines großen grauen Breitmaulnashorns, das sich zwischen Löwin und Gnu aus dem langen Gras erhebt. Scheinbar hatte es auch die heißen Nachmittagsstunden in derselben Schlammpfütze verbracht wie das Gnu. Wir konnten es nur aus unserer Position nicht sehen. Wollte die Löwin das Gnu angreifen, hätte sie quasi über das Nashorn klettern müssen. Jetzt steht der Dickhäuter zwischen Angreifer und Opfer, das die Gefahr immer noch nicht erkannt hat. Das Nashorn trottet ein wenig durch die Gegend und kommt dabei der Löwin bedrohlich nahe und verdirbt somit fast die Jagd der beiden Raubkatzen. Und schließlich steht der graue Koloss plötzlich da, wo eben noch die erste Löwin gelegen hatte. Die haben wir inzwischen leider aus den Augen verloren. Das Rino trottet wieder zurück zum Schlammloch und hat sich wohl überlegt, dass der Platz des Gnus anscheinend der Schönste in der Suhle ist und piekt dem armen Tier sein langes Horn in die Seite, um es zu verjagen. Widerwillig versucht das Gnu mit seinen kleinen Hörnchen dem Nashorn klar zu machen, dass es gerne selber hier liegen bleiben würde, wird aber letztendlich genau in die Richtung gescheucht, in der wir die Löwin zuletzt gesehen hatten. Und plötzlich geht alles ganz schnell. Unvermittelt taucht die Raubkatze aus ihrer Deckung auf und springt das Gnu von hinten an. Das wiederum hat seine Angreiferin wohl gerade noch rechtzeitig entdeckt, denn aus unserer Position sieht es so aus, als können die Löwin nur kurz eine Pranke an das Hinterteil des Gnus schlagen, bevor dieses in einer Staubwolke, einen Haken schlagend davon eilt. 193-die-jagdWieder setzt die Löwin nur zu einem kurzen Sprint und gibt dann auf. Der dritte Jagd-versuch, den wir heute beobachten und der dritte Misserfolg. Die beiden Raubkatzen scheinen außer Form zu sein. Merkwürdig ist allerdings, dass jetzt die Zebras und Gnus nicht wie erwartet in wilder Panik die Flucht ergreifen. Vielmehr stehen sie sich auf kurze Distanz gegenüber und schnaufen sich wütend an. Erst nach mehreren Minuten drehen sich die Zebras gelassen um und traben davon, gefolgt von den Gnus. Das Nashorn steht während des ganzen Schauspiels vollkommen teilnahmslos in der Landschaft herum und fragt sich vermutlich, was das ganze Theater soll. Zwar haben wir wieder einmal keinen “Kill“ gesehen, aber spannend war die Löwenjagt allemal. Und da die Zeit nun schon relativ fortgeschritten ist, müssen wir leider wieder ins Lager zurück. Zu gerne hätten wir die Löwinnen noch weiter verfolgt, um zu sehen ob sie noch irgendwann mal Erfolgt gehabt hätten. Aber so verlassen wir am nächsten Tag den Krüger Park, durch den wir ca. 12 Tage auf und ab gefahren sind, in Richtung Swasiland.

Erster Stopp. Natürlich ein National Park; und zwar der Hlane (sprich: Schlane). Da man hier mit dem eigenen Auto eh nicht in den Teil hinein fahren darf, in dem es Löwen zu sehen gibt, verbringen wir den Tag auf dem Campingplatz und beobachten die Tiere, die von ganz alleine am nahe gelegenen Wasserloch vorbei kommen. Der Platz ist von einem wackeligen Stacheldrahtzaun umgeben, der umso mickriger erscheint, als beim Abendessen ein Elefant mit seinem Kalb davor steht. Mit der Gabel in der Hand und einem Stück Grillfleisch im Mund beobachten wir, wie die beiden Dickhäuter wieder im Busch verschwinden. Und noch etwas verschwindet und zwar eine Schlange im Miniformat unter unserem Grillplatz. Können auch kleine Schlangen schon giftig sein?

194-camping-in-swasiland

Am nächsten Tag haben wir mal wieder nur eine kurze Etappe geplant. Geht auch gar nicht anders, denn das Swasiland ist kaum größer Schleswig-Holstein, da muss man schon langsam machen, sonst ist man schneller wieder draußen als geplant. Wir checken schon am Mittag in einem Backpackers ein und machen uns dann wieder auf den Weg die Hauptstadt des Zwergenstaates zu erkunden. Dazu müssen wir eigentlich nur 8 Kilometer weiter einen steilen Berg hinauf. Bergetappen liegen uns seit der letzten Motorreparatur eher weniger und daher haben wir bei solchen Gelegenheiten immer ein skeptisches Auge auf die Temperaturanzeige. Und wie sollte es anders sein? Sie steigt und steigt, ohne dass der Lüfter anläuft. Also auf den nächstgelgegen Parkplatz und erst mal sehen, was nun schon wieder los ist. Gerade als wir den Motor abstellen, gibt es von hinten einen lauten Knall, ein hässliches Zischen und wir stehen in einer Wand aus weißem Nebel. Irgendetwas ist uns da geplatzt und es ergießen sich gerade etwa 14 Liter Kühlflüssigkeit auf den schwarzen Asphalt. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Was um alles in der Welt haben wir eigentlich verbrochen, dass unsere Pechsträhne einfach nicht abreißen will? Also mal wieder Motorklappe auf und einen Blick auf das Dilemma geworfen. Nach kurzer Suche stellt sich heraus, dass unser neuer Kühlwasserbehälter wohl nach etwas abgeschwächteren Normen gefertigt wurde, denn er war es, der den lauten Knall verursacht hat. Das Teil ist geplatzt. Also stehen wir mal wieder mit kaputtem Auto in der Gegend herum und sind auf Hilfe angewiesen. Hatten wir bereits erwähnt, dass natürlich wieder Sonntag ist und alles geschlossen hat? Ohne Wasserbehälter kein geschlossener Kühlkreislauf, ohne Kühlkreislauf der nächste Motorschaden, wenn die Maschine nach der Aktion nicht eh schon wieder einen Knacks weg hat.

Wir stehen also mit qualmendem Motor da und versuchen am steilen Berg jemanden anzuhalten, der uns mit ins nur 2 Kilometer entfernte Mbabane mitnimmt, damit wir dort einen Abschleppdienst anheuern können. Es ist schließlich ein alter Priester auf einem Motorrad, der hält und fragt, ob wir Hilfe brauchen. 196-auf-ein-neuesWir erläutern die Situation und schon braust er los, um Hilfe zu holen. Die kommt auch ungefähr eine Stunde später in Form eines Abschleppunternehmens, das uns bis nach Mbabane zieht und uns dort an einer Tankstelle absetzt. Der Fahrer des Abschleppdienstes versichert uns, dass in Kürze ein Kollege vorbei kommen würde, der uns eventuell sogar noch heute einen Wasserbehälter besorgen könne. Auf den Kollegen warten wir aber gleich mehrere Stunden und schließlich wird uns klar, dass der wohl nicht kommen wird. Also fragen wir an der nächsten Tankstelle, ob wir uns für die Nacht auf deren Platz stellen dürfen, denn die, an der wir momentan stehen will uns nicht. Die Angestellten der zweiten Tanke machen auch nicht gerade Purzelbäume vor Freude, aber immerhin erlauben sie uns für die Nacht dort zu parken. Janina ruft vorsichtshalber noch die Herberge an, für die wir schon bezahlt hatten, damit die sich nicht unnötig Sorgen um uns machen. Die Tankstelle ist 24 Stunden geöffnet, hell erleuchtet und scheinbar auch ein Nachtparkplatz für die meisten der Minibustaxis hier im Ort. Also einigermaßen sicher. Und eine offene Toilette hat sie auch. Was wollen wir also mehr, außer einem Auto, dass nicht alle paar Kilometer zusammenbricht?

Wir überstehen die Nacht in der großen Stadt unbeschadet und während Janina Wache am Bus hält, mache ich mich am Montagmorgen halbwegs ausgeschlafen auf die Suche nach einem passenden Ersatzteil. Und das ist wieder so eine typisch afrikanische Geschichte:

In Mbabane gibt es genau drei Ersatzteilhändler (und natürlich 0 VW Häuser). Nämlich A,B und C (Namen wurden durch die Redaktion geändert J). Also fange ich bei A an und frage nach einem Wasserbehälter für einen “VW Kombi“, so heißt ein Bulli nämlich im südlichen Afrika im Allgemeinen. Hier wird mir erzählt, dass der letzte Behälter gerade ein paar Tage vorher verkauft wurde, super. Ich solle aber vorsichtshalber mal meine Telefonnummer da lassen. Genau deshalb hatten wir uns gestern noch eine Swasiland-Telefonkarte gekauft. Somit wackel ich weiter zu Teilehändler B, der mich nur schief anschaut und meint: Nö! Gut, bleibt Teilehändler C als unsere letzte Hoffnung. Und siehe da, der hat so ein Teil im Fundus. Ich bin entzückt und vergleiche schnell den Behälter aus dem Laden mit dem jüngst dahin geschiedenen aus unserem Auto. Und schon werden die Gesichtszüge wieder länger. Denn einer der Anschlüsse passt nicht zu unserem Modell. Im südlichen Afrika fahren fast ausschließlich Benzinmodelle. Da ist unser 1,6 Liter Diesel ein echter Exot, das hatten wir ja auch schon in Addo bei unserem letzten Motorschaden bemerkt. Gedanklich arbeite ich schon an einer Bastellösung und frage den Verkäufer nach einem Wasserbehälter für einen Golf oder Jetta Diesel. Die wurden zwar nie offiziell hier unten eingeführt, sind aber trotzdem einigermaßen zahlreich vertreten. Und da sie den gleichen Motor haben wie unser Bulli, hoffe ich einfach mal, dass auch der Wasserbehälter passt. Aber leider schüttelt der Verkäufer den Kopf, so ein Teil habe er nicht. Also wieder zurück zu Teilehändler B (alles zu Fuß versteht sich). Der schaut mich nochmals schief an und verneint die Nachfrage nach einem Wasserbehälter für einen Golf Diesel. War ja klar. Ich latsche also schon leicht demotiviert wieder zurück zu Teilehändler A, um ihm meine neueste Erkenntnis mitzuteilen, dass ein Behälter für einen südafrikanischen VW Kombi leider nicht in unseren merkwürdigen, ausländischen VW passen wird und er statt dessen doch lieber nach einem Behälter für einen Golf oder Jetta suchen soll. Noch alles klar? Der etwas übergewichtige Inder hintern Tresen fängt an zu telefonieren, teilweise mit zwei Telefonen gleichzeitig. Aber seiner Mimik kann man entnehmen, dass es nicht gerade zum Besten steht. Ich überdenke schon den Ansatz meiner Bastellösung, als ein kleiner Mann mit Lederhut und Goldzähnen durch die Tür marschiert kommt und dem Wachmann zu verstehen gibt, dass dieser ihm die Tür zum Lager aufschließen solle. Also entweder der Chef von Teilehändler A, Herr A höchstpersönlich also, oder aber ein sehr guter Kunde, der bei A ein und aus geht. Er ist letzteres, denn der dicke Inder mit der Telefonbegabung gibt mir zu verstehen, dass wenn jemand mein Problem lösen kann, es der Goldzahn mit Lederhut sein wird. Ich spreche den Typen an und schon glänzen mir 18 Karat Gold aus einem breiten Grinsen entgegen. Er ist sich sicher, dass wir das in den Griff kriegen. Kurzerhand fährt er mit mir zurück zu Teilehändler C, um dort den Wasserbehälter für südafrikanische Kombis zu kaufen und dann weiter in seine Werkstatt. Hier schickt er einen seinen Angestellten auf die Suche nach einem passenden Stück Schlauch, um einen Adapter für die ungleichen Wasserbehälter zu basteln. Während ich da so in Goldzahns Werkstatt stehe und hoffe, dass die Geschichte ein gutes Ende nimmt, fällt mein Blick auf ein ganz bestimmtes Fahrzeug in seinem Garten. Da steht ein quietschgelber VW Bulli mit weißen Hochdach, wie es früher die Eiswagen hatten und einer extra hohen Schiebetür. Sogar das Lenkrad ist auf der linken Seite. Vor mir steht tatsächlich ein alter, deutscher Postbus. Und welchen Motor hatten die Postbusse in Deutschland für gewöhnlich? Richtig, einen 1,6 Diesel. Diese alte Rostlaube hat doch tatsächlich genau den Wasserbehälter, den wir brauchen. Ein kurzer Plausch mit Goldzahn und wir werden uns handelseinig. Er bekommt den neuen Wasserbehälter und ein kleines Trinkgeld, um sich einen passenden Schlauch zu basteln und ich bekomme dafür den alten Behälter aus dem Postbus. Er bringt mich sogar mit dem Auto zurück zur Tankstelle, an der Janina immer noch unseren Syncro bewacht – perfekt. Das Teil ist schnell eingebaut und auch 14 Liter Wasser sind fix eingefüllt. Bleibt nur die bange Frage, ob der Motor durch die Überhitzung einen Knacks weg hat oder nicht. Wir starten und horchen ängstlich in die Maschine hinein. Kein Rumpeln, kein Schütteln. Er hört sich an wie zuvor. Bevor wir aber die Fahrt zurück zur Herberge aufnehmen, nehmen wir noch eine kleine Modifikation vor. Offensichtlich stimmt etwas mit der Ansteuerung unseres Kühlerventilators nicht. Vielleicht auch schon der Grund für unseren letzten Motorschaden im Addo, um so schöner, wenn die Mechaniker in Pretoria den Fehler schon entdeckt hätten. Wir entschließen uns, den Ventilator von nun an per Hand ein- und auszuschalten und zweckentfremden dazu den Schalter der Nebelscheinwerfer. Die Plusleitung der Nebellampen klemmen wir an die Ventilatorsteuerung und von nun an springt unser Lüfter immer dann an, wenn wir den Schalter für die Nebelscheinwerfer betätigen. Nicht gerade elegant, aber es funktioniert. Und solange es den einen erneuten, dritten Motorschaden verhindern kann, ist uns alles Recht. So gerüstet treten wir den 8 Kilometer langen Weg zu unserer Herberge an, in der wir eigentlich die letzte Nacht hätten verbringen wollen. Die waren nämlich so nett uns einfach um eine Nacht umzubuchen, da wir ja schließlich schon bezahlt hatten. Hier entspannen wir uns dann auf der sehr schönen Terrasse mit spektakulärem Blick auf die Berglandschaft Swasilands und machen uns Gedanken über unsere weitere Reiseroute.

An dieser Stelle müssen wir für gleich zwei Dinge entschuldigen.

Ersten für das viele Fachsimpeln der letzten Zeilen. Der technisch Uninteressierte wird sich vielleicht ein wenig gelangweilt haben.

Zweitens für das Fehlen jeglicher Fotos. Den dritten Motorschaden vor Augen, war uns nicht wirklich nach fotografieren.

  1. Michael Karasira

    Hallo Ihr beiden,

    super Eure detaillierte Berichte zu lesen. Ihr seid also immer noch unterwegs und werdet sicherlich mehr Afrikaner als viele. Jedenfalls Hut ab.
    Meine Frau und ich waren vom 29.Dez bis 07.Feb wieder mal in Kahama/Tanzania und sprachen viel von Euch.
    Weiterhin viel Spaß und Mut vor den verschiedenen Latituden in Afrika.

    Gott bringe Euch wieder heil in die Heimat.
    Michael
    67459 Böhl-Iggelheim/Rh.Pfalz

  2. Hallo Janina !
    Du hast ab jetzt die wichtigste Funktion an Bord.Immer wenn die Sonne scheint
    Nebelscheinwerfer anschalten.Die Idee ist prima.Wir wünschen Euch noch einen
    schönen Resturlaub und kommt gut wieder nach hause. Helmut & Ingrid

  3. Mama & Papa Altmeppen

    Also, mein lieber Jens. Ich bin total ein Nicht-Fachmann, und ich hab mich keine Sekunde gelangweilt. Was Ihr so alles erlebt, oder besser gesagt-durchlebt und trotzdem nicht den Mut verliert, gebührt unseren größten Respekt.
    Nur nicht den Mut verlieren und weiter so. Das Auto hat euch so viele zig-tausend km weit gebracht und wird es auch noch bis zum Containerschiff schaffen. Da bin ich mir sicher. Noch viel viel Spass, Glück und tolle Erlebnisse.
    Werner u. Marie-Theres

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