Allgemein Afrika

Ein Blick zurück…

Am 03. März 2012 um 12.43 Uhr mitteleuropäische Zeit setzen wir unsere Füße wieder auf deutschen Boden. Die Gefühle, die wir haben, sind nur schwer beschreibbar. Nach der wie immer spannenden Warterei auf unser Gepäck treten wir in Düsseldorf durch die Schiebetür, die fast symbolisch wie eine sich öffnende Wand zwischen wehmütigen Gedanken an das Ende einer traumhaften Reise und der Wiedersehensfreude auf Familie und Freunde steht. Noch können wir nicht so richtig fassen, dass es das nun war…

unsere gefahrene Route

 

Heute, 3 ½ Wochen später ist wie erwartet immer noch keine Alltag eingekehrt. Wir können es nicht lassen und tingeln hier im für uns trotz erster Sonnenstrahlen kalten Deutschland zwischen verschiedenen Unterkünften hin und her 😉

Ein Resümee

Rund 3500 km mit einem Mietwagen und 48000 km mit unserem Syncro sind wir 337 Tage teilweise unter extremen Bedingungen durch 5 ½  Länder Europas, 2 ½ Länder Vorderasiens, 13 Länder Ost- und Südafrikas gefahren (die Türkei ist halb/halb gezählt). Es ging durch 50°C heiße Wüsten-gebiete, durch Wasser-gräben, über 3°C kalte holprige Bergpässe. Wir überquerten den Äquator zweimal mit eigener Motorleistung und einmal wurden wir von einem Matatu rübergeschleppt. Mehrere Male passierten wir den Tropic of Capricorn (den Wendekreis des Steinbocks), also die Grenze zwischen gemäßigten Breiten und den Tropen.

Zwei Motorschäden und ein explodierter Kühlwassertank haben uns insgesamt 51 Tage nervenaufreibender Wartezeit gekostet und der Spruch „Hätte der Hund nicht gesch%&$, …“ hat für uns durch den aufgeschobenen Ölwechsel auf Grund der Abortwahl von Wim´s Haustieren in Addis Abeba und dem später schlappmachenden Turbolader eine ganz realistische Bedeutung bekommen. Widererwarten haben wir nur zwei Reifenpannen zu beklagen und das nach rund 38000 gefahrenen Kilometern! In Uganda haben wir neue Stoßdämpfer bekommen und in Südafrika neue Federn auf der Hinterachse. Insgesamt verbrauchten wir 5000 Liter Diesel, haben uns zweimal festgefahren, die mitgeschleppten Sandbleche kamen jedoch nicht zum Einsatz.

Der tiefste Punkt unserer Reise lag in Jordanien am Toten Meer fast 400m unter Normal Null, der höchste in den äthiopischen Simien Mountains auf fast 4000m. Der südlichste Punkt, den wir erreicht haben war das Kap Agulhas.

Wir hatten an keinem Grenzübergang nennenswerte Schwierigkeiten, der anstrengendste war sicherlich die Einreise nach Ägypten, der einfachste von Namibia nach Südafrika. Den lustigsten Grenzer hatten wir bei der Einreise nach Jordanien, den unfreundlichsten eindeutig am Grenzeingang nach Ruanda. Drei Grenzen überquerten wir auf dem Wasser wobei die Fahrt von Sambia nach Botswana die entspannteste war. Wir erinnern uns trotzdem mittlerweile mit lachenden Augen gerne an die Fahrten nach und aus Ägypten. Plötzlich völlig allein unter zig betenden Muslimen war wohl der beängstigte Grenzübergang (jedenfalls für mich) und die Fahrt über den Nasser Stausee der spektakulärste.

Von 337 Nächten schliefen wir 273 campender Weise im Bus oder Zelt, 33 im Hotel, 19 im Busch, 2 auf Schiffen, 1 im Bus, 5 an Tankstellen und 4 bei Freunden. Das abschreckenste „Hotel“ war mit Abstand das Definetood in Wadi Halfa, zwei der nettesten Campingplätze bezogen auf „Tierbesuch“ das „Croc Valley Camp“ am South Luangwa Nationalpark in Sambia und das Molema Bushcamp im Tuli Block in Botswana. Herrlich abschalten konnte man am Tiwi Beach, dem Camp, das direkt am indischen Ozean liegt. Als Frau habe ich die arabischen Toiletten zu schätzen gelernt, da sie im Vergleich zu diversen europäischen Modellen am hygienischsten waren. Wir haben gelernt, das „Frühstück inklusive“ ein weit dehnbarer Begriff ist und man nie ausgehungert in Afrika Essen gehen sollte, da man gut und gern mal eine ganze Stunde auf das Essen warten muss. Mit unserem Budget von 60 Euro am Tag für Essen, Unterkunft, Sprit und Freizeitaktivitäten sind wir ohne Probleme hingekommen. Hinzu kommt noch das Verschiffen des Syncros, unsere Flüge und selbstverständlich die beiden Motorschäden.

Wir werden oft gefragt „ wo war es am Schönsten?“ Darauf können wir leider keine Antwort geben, denn jedes Land hatte seine Highlights. In Jordanien das Wadi Rum, Ägypten´s Abu Simbel und die weiße Wüste, Uganda´s Menschen, Malawi mit seinem wunderschönen azurblauen See inklusive weißem Sandstrand, Botswana als Land, Namibia mit seinem traumhaft wilden Norden und und und… Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns ernsthaft bedroht gefühlt trotz aller militärischen Straßensperren oder Rinderhirten mit ihren AK47. Es hört sich vielleicht blöd an, aber man gewöhnt sich irgendwie daran.

Zu den schönsten Begegnungen mit den Einheimischen gehörte definitiv die Kaffeezeremonie bei der kleinen Familie in den Simien Mountains von Äthiopien, der Besuch des Turkanavolkes inklusive Gesangständchen der vielen vielen Kinder und die Wanderung zum Wasserfall in Malawi, bei der wir von süßen kleinen „Locals“ begleitet wurden.

Die lustigste Tierbegegnung war bestimmt das in-Jens-T-Shirt-nach-Futter-suchende kleine Chimpansenmädchen  Christine. Die beängstigte Gegenüberstellung von Mensch und Tier war für mich die Konfrontation mit diversen grantigen Elefanten, für Jens wohl der auf ihn zurasende Löwe in Botswana. Eine sicherlich einzigartige Begegnung hatten wir mit den Berggorillas. Das Kharma Sanctuary bescherte uns den schlafraubensten tierischen Besuch, in dem uns ein salzhungriges Kudu das ganze Bulliheck abschleckte. Herzklopfen gabs, als uns auf einem Spaziergang ein ausgewachsener Rhino-Mann aus nur 15m in die Augen blickte.

 

 

Wir haben unserem Syncro viel zugemutet. Er musste sich nicht nur durch staubtrockenen heißen Wüstensand kämpfen, sondern auch nur wenige Meter an Flusspferden vorbei einige Wasserdurchfahrten absolvieren. Zu überquerende Brücken waren nicht nur einmal als solches nicht mehr zu erkennen und sogenannte Straßen bestanden eigentlich überwiegend aus Schlaglöchern (von nicht selten 50cm Tiefe und 1m Durchmesser). Nicht selten bestand der Weg nur aus einer Ansammlung von großen groben Steinen oder nacktem Fels. Der 1,6 Liter kleine Motor musste zeitweise etwa 3 Tonnen vorwärtsbewegen und wurde manchmal bis zur Erschöpfung von Mensch und Maschine weitergetrieben.

Die Zeit mit unseren Mitreisenden war natürlich eine der schönsten Abschnitte unserer Reise. Das Schicksal hat uns so oft mit Katharina und Ingmar zusammengebracht, dass sie für etwa 3 Monate fast fester Bestandteil unserer Abende waren. Ralph und Martijn haben uns viele lustige Momente beschert, mit ihrer holländischen Ehrlichkeit, zusammen mit dem britischen Humor unseres Landrover Freundes Gary, hat die gemeinsame Zeit einfach nur Spaß gemacht. Auch die Bekanntschaften mit den Österreichern Michi und Tom, den Freisingern Kathi und Ferdi und den Wahlschwaben Lilli und Stephan werden wir nicht vergessen und haben uns fest vorgenommen, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Zu guter Letzt noch ein fettes Dankeschön an alle unsere fleißigen Kommentarschreiber! Ihr habt uns die Bestätigung gegeben, dass wir unsere Berichte nicht  nur für uns als Erinnerung verfasst haben, sondern dass Ihr auch Interesse an unserer Reise hattet und wirklich mitgefiebert habt… Wir werden noch lange von unseren Erlebnissen zehren und das letzte Jahr nie vergessen. Wir haben uns persönlich weiterentwickelt und viele Erfahrungen gesammelt, die uns auch in unserem weiteren Leben beeinflussen werden.

  1. Hallo Ihr Beiden,

    schade, dass Eure Reise vorbei ist. Es war immer wieder spannend, bei euch vorbei zu schauen, und diese virtuellen Ausflüge haben sich für mich zu einem regelmäßigen Ritual entwickelt. Jetzt muss ich mich wohl selbst wieder vom Hocker machen, um Abenteuer zu erleben. Aber kein Problem, am 18 Juni geht’s für ein paar Monate in den Himalaja. Dann könnt Ihr ja mal bei http://www.guennionwheels.de vorbei schauen.

    Ich wünsche Euch ein stressfreies wieder eingewöhnen.

    Beste Grüße,

    Günter

  2. Matthias

    Hallo Janina & Jens,

    Glückwunsch zur erfolgreichen Reise.

    Gruß Matthias

  3. Ein Blick zurück Afrika.

    Ägypten – Mai 2011 – Adam’s home – K&I lernten J&J kennen.
    Ruanda – August 2011 – Dream Inn Motel – K&I sahen J&J das letzte Mal.
    Dazwischen lag ein unvergessliches Abenteuer und schöne Stunden mit Euch.

    Nun wird es Zeit für ein oder zwei kühle Becks in Deutschland!

  4. Schön von Euch zu lesen. Wir haben hier schon sehnlichst auf ein kleines Lebenszeichen gewartet.. für Toni war Eure Reise so spannend… und für uns, die sich für eine andere Art „Abenteuerreise“ entschieden haben sowieso.. durch Euch unendlich viele schöne Eindrücke von einem fazienierenden Kontinent bekommen…und hoffen wirklich auf ein baldiges echtes Wiedersehen… So genug geschleimt… hehe.. Thorti hofft auf ein gutes Bier mit Euch zwei und will euch was in seinem neuen „Baby“ „kochen“ ^^

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